Artikel
6 Kommentare

Wie ich mich online für einen Job bewarb und warum ich das Internet so liebe

Am 11.Oktober 2016 veröffentlichte ich zeitgleich auf Facebook und Twitter meine Anzeige für eine Suche nach einer neuen Stelle als Web- oder User Interface Designerin. Ich entschied mich bewusst für diese beiden Plattformen, denn Twitter ist aus meiner Erfahrung die Plattform mit der größten Reichweite und dem größten Anteil an Webworkern in meiner Timeline und meinen Followern, und Facebook besitzt den größten Anteil an Menschen aus meiner Heimatstadt Bonn, die Wissen über aktuelle offene Stellen besitzen. Diese Schnittmenge sollte ausreichen, um die passenden Personen zu erreichen. Xing kam für mich nicht in Frage, weil ich dort häufig die traurige Erfahrung machen musste, dass Anzeigen und Suchen zwar wahrgenommen, aber oftmals pauschal interpretiert werden, d.h. dass Inhalte und Qualifikationen nicht gelesen werden und es dann bei einer Anfrage per privater Nachricht oftmals zu der Erkenntnis kommt, dass die angebotene Stelle gar nicht passt.[Weiterlesen]

Artikel

rp12: Von einer re:publica, die auszog, sich selbst neu zu erfinden.

Auch wenn ich mich zu meiner mittlerweile vierten re:publica schon sehr heimisch in Berlin fühle und nicht mehr jede Ecke ein Rätsel ist, so lag dieses Jahr die besondere Herausforderung in der neuen Location, dem Station (engl. ausgesprochen, ich fragte ansässige Berliner!). Würde man an den Erfolg von 2010 anknüpfen und die – mengenbedingten – Makel der re:publica 2011 ausbügeln können?

Auf die Frage, ob die re:publica ganz die alte ist, lautet die Antwort: nein. Auf die Frage, ob sie sich auf eine völlig unerwartete Art und Weise neu erfunden hat, lautet die Antwort allerdings ganz klar: JA. Und das mit Bravour, viel Platz und ganz viel Wohlfühlfaktor.

Neue Location, DIY und ein gelebtes Motto „Action“

Das Station ist eine in mehrere kleinere Abzweigungen und Abschnitte unterteilte Halle, die z.B. an das Messegelände in Köln-Deutz erinnert, aber in klein und überschaubar. Die verschiedenen Panel-Räume zweigen optimal links und rechts von der Haupthalle ab, im hinteren rechten Teil befindet sich ein Restaurant mit langen Tischen und einem offenen Hofbereich (und leckerem Essen und gutem Kaffee). Über einen weiteren Gang nebenan gelangt man in die Halle der Hauptbühne.

Schon beim ersten Betreten fällt auf: alles ist geräumiger, lockerer, strategisch günstiger. Es gibt eine Fastlane für Check-In für ausgedruckte Tickets mit Bändchen, ohne Badge (holt man sich später nach). Die Hauptsponsoren und Partner sowie Merch und Kicker sind in der großen Eingangshalle aufgebaut. Durch die tiefen Decken, viele liebevolle Details und große stufige Chillout-„Inseln“ kommt gleich eine Wohlfühlatmosphäre auf. Eine Armada von quietschbunten Plastikstühlen lädt dazu ein, sie herumzutragen und sich dazu zu setzen. Die Twitterwall ist dieses Jahr analog in Form einer großen gekleisterten Wand mit Plakaten gedruckten Tweets mit dem Hashtag ‚#action‘.

Besonders hervorzuheben in diesem Jahr: die Barrierefreiheit. Überall Rampen, alles fast alles ebenerdig, Gebärdensprachdolmetscher, Sprache-zu-Text-Erkennung auf Screens – es wurde auf alles geachtet.

Meine Sessions am Mittwoch, den 3.Mai

Als erstes geht es zu Creative Internet Business: Made in Germany, eine Podiumsdiskussion mit Thomas Knüwer. Die Start-Up-Szene Berlins sitzt dort versammelt, u.a. ein Social-Media-Game-Entwickler (Wooga), ein Vertreter von CFP (Beratung Tech- und Finanzsektor), Zanox (Werbe-Netzwerk) sowie der Chef der Senatskanzlei von Berlin. Es kommen Vergleiche mit der Startup-Szene zu Silicon Valley auf, die aber beschwichtigt werden: Man werde im Vergleich zu Silicon Valley immer hinterher hinken, es komme jetzt auf eigene Identifizierung und Platzierung an. Es wird über Finanzierungskonzepte für Startups gesprochen. Leider driftet die Diskussion dort ab, sodass wir den Raum wechseln.

Bei DIY Barrierefreiheit stellt Raúl Krauthausen von den Sozialhelden sein neues Projekt Brokenlifts.org vor, das u.a. durch Scrapen und Melden Informationen zu defekten Aufzügen der U-, S- und Bundesbahn sammelt und auf einer Seite vereint. Mit Unglauben verfolge ich die Schilderung über das einjährige(!!) in-Kauf-nehmen eines längeren Arbeitsweges (später Aussteigen und zurücklaufen/fahren) aufgrund von defekten Aufzügen und den damit verbundenen, beruflichen Schwierigkeiten. Für Menschen mit Gehbehinderung oder aber auch Frauen mit Kinderwagen sind die ständig defekten Aufzüge der ÖPNV wahrlich eine Zumutung. Nach Wheelmaps.org ein weiteres, spannendes und für die öffentliche Aufmerksamkeit wichtiges Projekt, das ich definitiv mitverfolgen werde.

Danach findet ein eher sinnloses Switching zwischen Der wandelnde Computeruser (Geschichte des Users von den Anfängen bis heute, leider zu sehr wissenschaftlich, hätte man mehr draus machen können!), Getting Broke, Broken and Forked for the Planet (Sustainability, Environment und Windowfarming, also community-organisierter Obst- und Gemüseanbau mitten in der Stadt) sowie Unerhört – Digitale Barrierefreiheit und Partizipation im Netz statt. Durch das Überschneiden konnte ich keine der Sessions ganz sehen und werde diese Strategie definitiv morgen ändern. So ganz passend für jeden gehts eben doch nicht.

Bei Kompetenz vor Quote stellen Inken Meyer (@meyola) und Carolin Neumann (@carolinn) die Digital Media Women Hamburg vor, zeigen sehr schöne Videos mit Worten der Mitglieder und erzählen von bisherigen Projekten. Ich verfolge die Geschichte des Netzwerkes schon von Beginn an und habe wirklich selten so freundliche, geduldige und vor allem in ihrem Fachgebiet kompetente Frauen (und Männer!) kennengelernt. Hier geht es eben nicht um feministische Debatten, sondern um das Vernetzen von Menschen, überwiegend Frauen, die sich beruflich und privat in der Online-Welt aufhalten. Man muss bei einem der Treffen dabei gewesen sein, um das wirkliche Potenzial für sich entdecken zu können. Die DMWHH haben sich als Ziel gesetzt, mehr Frauen auf die Podien zu bekommen und sind sehr erfolgreich in der Umsetzung!

Derzeit entstehen die Berlin Geekettes Digital Media Women Berlin, die das Prinzip der DMW auch in Berlin umsetzen möchten.

In dem Panel About me – die digitale Fassade erläutert Kixka Nebraska alias Die Profilagentin eindrucksvoll die Unterschiede von digitalem Ich vs. realem Ich, zeigt in Studien und über Schaubilder und Persönlichkeiten auf, dass diese beiden nicht mehr so sehr voneinander abweichen und empfiehlt: Wer sich im Netz einen Namen machen will muss qualitativen Content produzieren, aktiv sein, teilnehmen und darüber reden. Passivität führt langfristig nicht zum Erfolg. Es geht also um SEO für die eigene Identität. Einer meiner Lieblingsvorträge und mit viel Applaus bedacht!

Mein absolutes Highlight wird aber nach einer Pause die Session Twittern aus dem All für die digitale Öffentlichkeitsarbeit. Zu Gast sind Astronauten und Experten der NASA und ESA, die mit faszinierenden Bildern von der ISS von der dortigen Arbeit erzählen, vor allem aber, wie die Idee aufkam, aus dem All zu twittern, welche technischen Schwierigkeiten damit verbunden sind und wie der Dialog mit den Usern zustande kommt. Interessanterweise werden die Astronauten beim Twittern weder zensiert noch überwacht oder reglementiert, sondern können frei nach Schnauze berichten und Fotos posten. So wird der Dialog angeregt, ein doch eher etwas „fachfremdes“ Thema wird den Usern näher gebracht. Zum Schluss sagt die Kommunikationsexpertin der ESA, Jocelyne Landeau-Constantin: „We need more curious people!“ Im Dialog sollen die User dazu angeregt werden, möglichst viele Fragen zu stellen. Sendung mit der Maus für Ältere quasi 😉 Ein toller Vortrag!

Zum Schluss geht es zum Überraschungsvortrag von Sascha Lobo, der mit seiner komödiantisch-ironischen Art den „Stand des Internet 2012“ wiedergibt. Es wird viel gelacht, und es gibt genug Shitstorm, Google Plus, Eulen und Igel für alle. Empfehlung für den aufgezeichneten Stream später!

Den Abend läuten wir mit bei dem fantastischen Wetter im Freien stattfindenden Gesprächsründchen zu Bier und Mate im Vorderhof aus, es läuft gute Elektro-Musik aus der re:fill-Bar, die Stimmung ist wie von anderen re:publicas gewohnt entspannt und hier vertiefen sich die Gespräche zum ersten Mal am Tag. Später wird sogar noch zu Gloria Estefan und Footloose getanzt!

Ich habe heute ausgiebig genetzwerkt, mich ausgetauscht, Fotos geschossen (u.a. mit meiner analogen Recesky), gelacht, diskutiert und zugehört. Auch dank des warmen Wetters war es heute ein ganz großartiger erster Tag auf der re:publica 2012, und ich danke schon jetzt dem ganzen Orga-Team für diese tollen Veränder- und Verbesserungen, ohne den Charme der Ur-re:publica zu verlieren. Der Donnerstag kann kommen!

Alle Infos zu den Sessions findet ihr unter http://re-publica.de/12/sessions.

(entschuldigt die fehlende Durchklick-Funktion bei der Galerie, da muss ich morgen mal nach schauen)

[singlepic id=439 w=320 h=240 float=left] [singlepic id=445 w=320 h=240 float=left] [singlepic id=440 w=320 h=240 float=left] [singlepic id=441 w=320 h=240 float=left] [singlepic id=442 w=320 h=240 float=left] [singlepic id=443 w=320 h=240 float=left] [singlepic id=444 w=320 h=240 float=left] [singlepic id=446 w=320 h=240 float=left] [singlepic id=447 w=320 h=240 float=left] [singlepic id=448 w=320 h=240 float=left] [singlepic id=449 w=320 h=240 float=]