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Die Bedeutung von Yoga in meinem Leben.

Zum Yoga kam ich durch einen Zufall. Ich hatte mich schon immer dafür interessiert, aber ich hatte – wie viele von euch sicher auch – eine völlig falsche und verquere Vorstellung davon, was Yoga eigentlich ist. Im Alltag wird Yoga immer mit sehr komplexen, schwer vorstellbaren Körperhaltungen „vermarktet“. Jeder der diese sieht denkt sich automatisch, „das kriege ich mit meinem Körper nie hin!“. Und wendet sich ab.

Im Frühjahr 2015 bot eine Dame auf dem gerade erst gegründeten Barcamp Bonn eine Yoga-Session an. Und zwar „in voller Montur“, das heißt, niemand musste Schuhe oder sonst etwas ausziehen. Das war das erste, was mich verwunderte. Das zweite war, dass die Übungen gar nicht so schwer waren. Schwer zu halten, ja, manche, wenn man durch jahrelange Inaktivität sein Gleichgewichtsgefühl etwas verloren hat. Aber insgesamt waren es alles Übungen, die machbar sind. Nix da auf den Kopf stellen oder einen Spagat machen. Das war alles „harmlos“. Nach dieser tollen Session fühlte ich mich wie neugeboren! Ich war zu dem Zeitpunkt im Unistress und nur 15 Minuten Yogaübungen hatten dafür gesorgt, dass mein Kopf frei und meine Muskeln entspannt waren. Mir wurde klar, dass das die Form von Sport ist, die ich brauche.

„Yoga ist eine Form von Gymnastik, bei der die Muskeln und Gelenke in langsamer, wiederholter Abfolge angespannt und wieder entspannt werden.“

Im Frühjahr 2016 meldete ich mich in meinem Bachelorsemester für einen Hatha-Yoga-Kurs im Unisport in Trier an. Hatha-Yoga ist die langsame Form des Yogas. Es gibt auch noch weitere Formen, darunter das Ashtanga-Yoga, das schnelle Bewegungsabläufe hat. Viele Yogaformen mischen sich und wechseln sich ab. Von diesem Zeitpunkt an an gab es für mich kein Halten mehr. Die Stunde wurde ganz wunderbar von aufbauender entspannender Musik begleitet, die unser Yogalehrer ausgesucht hatte. Hier lernte ich auch, was Yoga eigentlich ist: eine Form von Gymnastik, bei der die Muskeln und Gelenke in langsamer Abfolge angespannt und wieder entspannt werden. Hatha-Yoga beispielsweise beginnt immer mit einer Entspannungsübung, bei der man völlig gelassen mit geschlossenen Augen auf seiner Matte liegt, während der Lehrer vorne mit sanfter Stimme die einzelnen Körperstellen anspricht und dich bittet, sie zu entspannen. Das beginnt beim kleinen Zeh und endet beim Augenlid. Dann folgt eine etwa 45-minütige Abfolge von Übungen, den sogenannten Asanas, die immer wiederholt werden, abwechselnd mit beiden Körperseiten. Eine Übung ist auch der bekannte Sonnengruß, der ebenfalls wiederholt wird. Yoga lebt von der Wiederholung. Zum Abschluss folgt wieder die Entspannungsübung vom Anfang, und schließlich endet die Stunde im Yogasitz mit den verschränkten Beinen im Schneidersitz.

Unser Yogalehrer hat uns als erstes beigebracht, auf unseren Körper zu hören. Für jemanden wie mich, der sehr sensibel ist und sich auf den Körper verlässt, ist das sehr wichtig. Er bat uns, bei Übungen, für die wir uns noch nicht bereit fühlen, erst einmal nur zuzuschauen oder währendessen ähnliche Dehnübungen zu machen. Es war auch nie ein Problem, Pausen einzulegen und etwas zu trinken. Am Anfang ist es etwas komisch, wenn alle anderen ihre Übungen weitermachen und man selbst auf der Matte verschnauft oder etwas trinkt, aber es wird irgendwann ganz normal, weil es jeder macht. Der Lehrer läuft auch meist umher bei gehaltenen Übungen und korrigiert die Körperhaltung. Auch daran gewöhnt man sich, und es ist wichtig, damit man sich nicht verrenkt. Wichtig ist auch, das Atmen nicht zu vergessen. Daran wird man von seinem Lehrer auch erinnert. Die Atmung geht tief in den Bauch und kräftig wieder durch die Lippen hinaus. Viele Bewegungsänderungen folgen dem Ein- bzw. Ausatmen.

Die ersten Yogastunden waren anstrengend, aber nicht zu sehr. Man fühlte sich danach, als habe man Sport gemacht, aber man war nicht überdehnt oder kaputt. Es war genau richtig. Später, nach etwa fünf Kursstunden (mein Kurs fand jede Woche morgens um 11 Uhr statt), begann man sich richtig gut zu fühlen. Die Übungen fielen einem immer leichter. Man bemerkte kleine aber feine Verbesserungen. Das beste an meinem Yogakurs war aber das Glücksgefühl, das über mich kam, wenn die Stunde vorbei war: ein richtiger Adrenalinschub! Ich konnte plötzlich nur noch lächeln, war richtig beschwingt, aber entspannt. So ging ich dann motiviert in den Tag und schrieb an meiner Bachelorarbeit.

Irgendwann schrieb ich mir die Übungsreihenfolge mal mit (ich bin sehr schlecht was das Behalten von Choreographien angeht) und stellte mir auf Spotify eine Playlist mit den Liedern aus der Stunde und einigen anderen Liedern zusammen. So konnte ich auch zu Hause zu jeder Tageszeit meine Übungen wiederholen.

Nach einer langen Pause habe ich nun wieder mit Yoga begonnen. Derzeit noch zu Hause auf einer einfachen Isomatte mit Handtuch und beim Bonner „Sport im Park“-Angebot auf der Hofgartenwiese. Bald dann hoffentlich in einem Kurs, da mir die festen Zeiten helfen, mich selbst und meinen Körper nicht aus den Augen zu verlieren. Ich möchte mir auch eine richtige Yogamatte zulegen. Diese Matten sind schwerer und stabiler als Isomatten, rutschen nicht weg und geben Halt bei den Übungen. Als Kleidung empfehle ich für Frauen ein Sporttop (z.B. von H&M) und darüber ein ärmelloses dünnes Shirt, sowie eine 3/4 oder lange Sportleggings. Meine Hose habe ich bei Tchibo gefunden und finde sie sehr bequem. Im Sommer kann man die Übungen barfuß absolvieren, im Winter empfehle ich Noppensocken und ein langärmliges, dünnes Oberteil, damit man nicht friert. Wichtig ist bei allem, dass man sich wohlfühlt.

Yoga hat mein Leben wirklich verändert. Zum einen, weil es ein schönes Gefühl ist, endlich eine Form von Bewegung gefunden zu haben, die zum eigenen Körper passt und ihn nicht überfordert. Wenn man jahrelang im Schulsport gequält wurde, ist dies eine dankbare Erkenntnis. Ich habe hin und wieder Probleme mit eingeklemmten Rückennerven und Muskelverspannungen: wenn ich Yoga mache ist das gegessen. Weiterhin sorgt das Glücksgefühl nach den Übungen für Motivation für den Tag und gibt Kraft für die täglichen Sorgen und Probleme, denen man begegnet. Die Yoga-Stunde selbst ist schließlich eine Zeit, in der ich mir Zeit für mich und meinen Körper nehme, entspanne und abschalte. Das „Sahnehäubchen“ ist nach vielen Monaten dann das verlorene Gewicht und die dazugewonnenen Muskeln, die Kraft und die Beweglichkeit. Dann vertraut man seinen Armen und Beinen völlig blind und ein Kopfstand oder ähnliches sind keine Schwierigkeit mehr. Das sollte aber nicht das Hauptziel sein. Wenn man sich auf Yoga einlässt kommt alles andere von ganz alleine.

Noch ein Hinweis in eigener Sache: lasst euch von den vielen Yogarichtungen und Yogis (den Yogalehrern) nicht verunsichern. Lasst euch nicht erzählen, man müsse schon nach fünf Stunden einen Handstand können – das ist völliger Unsinn und auch sehr gefährlich, denn zu schnelle, ungewohnte Bewegungen können Verletzungen hervorrufen. Einige Yogaformen arbeiten mit ausgerufenen Lauten, Räucherstäbchen, Gongs und dem aus Filmen bekannten „OMMM“ – das ist etwas, was euch gefallen muss. Ich habe mich dagegen entschieden. Ich muss nicht unbedingt laut rufen um meine Entspannung auszudrücken 😉 Manche Kurse sind etwas esotherischer. Ich gebe euch den Tipp, euch erst einmal zur Probe darauf einzulassen. Eine negative Einstellung sorgt nämlich dafür, dass man bei den Übungen nicht entspannen kann. Danach könnt ihr euch immer noch dagegen entscheiden.

Und noch etwas: Yoga ist kein reines Frauending! Im Gegenteil. Bei uns im Kurs waren von ca. 25 Teilnehmern regelmäßig ca. 5-10 männliche Studenten, die mitgemacht haben. Das fand ich sehr schön und es zeigt, dass Gymnastik endlich nicht mehr als Frauensport abgestempelt wird.

Ich kann nur jedem empfehlen Yoga mal auszuprobieren. Daher gibt es in jedem Kursangebot immer eine Schnupperstunde, bei der man gegen kleines Geld oder meist kostenlos eine Stunde mitmachen kann. Das empfehle ich auch, denn nur so findet man raus, ob die Art des Yogas zu einem passt. Es ist völlig in Ordnung, sich nach einer Probestunde gegen diese Form zu entscheiden und eine andere auszuprobieren. Yogakurse gibt es in vielen Studios in der eigenen Stadt, bei der VHS, dem Unisport oder auch über private Anbieter. Eine Yogastunde kostet normalerweise zwischen 10 und 20 Euro. Mehr würde ich dafür nicht bezahlen. Einige Kurse werden sogar von der Krankenkasse anerkannt und zum Teil rückerstattet.

Ich hoffe ich konnte euch Yoga etwas näher bringen und wünsche euch ganz viel Spaß und Entspannung dabei 🙂

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