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Terrible Love.

Vor einigen Tagen sah ich einen bewegenden Film. Darin gibt es eine prägende Szene, die von dem Song „Terrible Love“ von The National begleitet wird. The National mag ich ja schon immer und diese Filmszene hat mich an das ganz großartige Album „High Violet“ von 2010 erinnert, das ich kurz nach Erscheinen wochenlang rauf und runter gehört habe. In „Terrible Love“ singt Matt Berninger:

It’s a terrible love that I’m walking with spiders
It’s a terrible love that I’m walking in
It’s a terrible love that I’m walking with spiders
It’s a terrible love that I’m walking in
It’s quiet company, it’s quiet company

Diese Zeilen mit Berninger’s tiefer, ausdrucksstarker Stimme erzeugen bei mir immer eine Gänsehaut, so wie viele seiner Songs. „Terrible love“ ist hier positiv gemeint und steht für eine tiefe, umhertreibende, sehnsüchtige Liebe. Was mich ein bisschen irritierte war jedoch der Ausdruck „Walking with spiders“. Den gibt es nämlich im Englischen gar nicht. Wörtlich übersetzt bedeutet er „Laufen mit Spinnen“ oder „Unterwegs sein mit Spinnen“. Also habe ich das ganze mal gegoogelt. Und dann diesen tollen Post gefunden, in dem der Autor Gabe Berninger’s Interviews wiedergibt wo dieser erklärt, dass ganz viele der Ausdrücke und Zeilen in The National-Songs frei erfunden sind. Er möchte nämlich, dass der Wortsinn selbst egal wird und die Ausdrücke stattdessen ein Gefühl transportieren. Im übertragenen Sinn wird „It’s a terrible love that I’m walking with spiders“ dann zu „Ich bin so sehnsüchtig verliebt dass es mich erschauert“. Und das hat mich umgehauen. Denn ich konnte mir nie so genau erklären was ich an den Songs so faszinierend finde. Aber mein Unterbewusstsein weiß genau was er sagt. Dieses Spielen mit Worten und das „Austricksen“ beeindrucken mich. Das sind keine Songtexte, das sind Gedichte, Kunstwerke mit tieferer Bedeutung.

Im Blogpost heißt es:

Why is “terrible love and I’m walking with spiders” a superior line? Not because it “doesn’t exactly mean anything” but because it means many things. It means an infinite number of things, really, since it invites the listener to bring her imagination to the table. And not just in a fill-in-the-scene “What’s the guy with the grapes in his mouth going to do next?” kind of way.  There’s a deeper, less avoidable emotional imagination at work. The line combined with the music will make you feel something whether you want it to or not, and that something will be different than what your boyfriend feels when he hears it, sitting in the car next to you.

On point kann ich da nur sagen! <3 Ihr müsst mal durch das Album hören. Ihr werdet es merken. Es funktioniert wie ein Zaubertrick 🙂 Die von mir gemeinte alternative Version des Songs „Terrible Love“ aus der Filmszene gibt es hier zu hören.

Ich mag es, von Dingen überrascht zu werden, von denen ich dachte, ich hätte sie schon durch und durch verstanden 🙂

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