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Das Leben kann auch schön.

Bonner Hofgartenwiese mit Blick auf das Unischloss

Bonner Hofgartenwiese mit Blick auf das Unischloss

Seit 14 Tagen, 16 Stunden und 46 Minuten wohne ich nun in meiner neuen Wohnung. Und warte immer noch auf den Haken. Es muss ihn geben. Es ist alles zu perfekt. Ich schreibe diesen Post von meinem Hinterhoflagen-Balkon mit Blick auf eine riesige, pink-blühende Magnolie, einen weiß-blühenden Apfelbaum, bepflanzte Blumenkästen und Hinterhofgärten. Ich habe wunderbar geschlafen in meinem separaten Schlafzimmer, eben haben mich die Nachbarn zu ihrem privaten Geburtstagskaffee eingeladen, nachdem wir uns schon ein paar mal nett gegrüßt hatten und ihre Katze neuerdings immer ihre Wohnungstüre mit meiner verwechselt und mich laut maunzend anschaut, ich war einkaufen, habe die Kirschblüten in der Heerstraße bestaunt und trotz den Nachwehen einer fetten Grippe/Erkältung fühle ich mich: wohl. Seit Einzug habe ich aufgrund der guten Lage noch nicht einmal die Heizung andrehen müssen, meine Küche ist schon fast langweilig ordentlich wenn der Geschirrspüler läuft und ich kann entscheiden, ob ich jetzt laut EinsLive höre, stundenlang in der Wanne liege oder den Balkon bepflanze. Die Vögel zwitschern, abends geht die Sonne in meinem Wohnzimmer unter und alles wirkt so unscheinbar friedlich. Wo ist hier also der Haken!? 😀

Und bei aller Liebe, ich habe schon alle Haken kennengelernt. Von Souterrain-Finsternis über randalierende Nachbarn mit fast täglichem Polizeieinsatz oder Schimmel bishin zu Ungezieferbefall durch Nachtspeicherheizung (inklusive horrender Stromrechnungen). Von Lärmbelästigung durch kiffende, partywütige Studenten über Geruchsbelästigung durch einen im Haus ansässigen Metzger bishin zu hinterhältigen Hausverwaltungen. Jeden Morgen wache ich in dieser perfekten Wohnung auf und frage mich, womit ich das verdient habe. Es muss noch was kommen. Das ist doch immer so in meinem Leben!?

Ich bekomme nun eine Ahnung davon, wie es ist, dieses „echte Leben“. Ich meine das, in dem man sich nicht mehr mit Unsinn rumschlagen muss, weil man in den vielen Jahren gelernt hat, ihn auf Anhieb zu erkennen und zu vermeiden. Das Leben, in dem man sich aussuchen darf was man im Supermarkt (sogar im REWE!!!) kauft, das einen sonntags stundenlang im Park liegen und das Wochenende so wirklich genießen lässt und das einem erlaubt, einfach mal spontan eine Grillparty einzuberufen. Für viele mag das völlig banal klingen – für mich ist das eine Revolution. Für mich war Leben immer nur kämpfen und arbeiten. Der Versuch, „normal“ zu sein oder auf Normalität hinzuarbeiten, damit sie eines Tages eintritt. Jetzt ist sie eingetreten. Naja, fast. Ich traue ihr noch nicht 😉

Blick von meinem Balkon

Blick von meinem Balkon

Kirschblüte in Bonn (Heerstraße)

Kirschblüte in Bonn (Heerstraße)

Ansonsten geschah diesen Monat noch folgendes:

  • Ich war auf dem dritten Barcamp Bonn im Post Tower und habe mich an der Vernetzwerkung erfreut. Obwohl mir die Location diesmal viel zu groß und unpersönlich war, war es schön, viele bekannte Gesichter wiederzusehen und spannenden Vorträgen zu lauschen.
  • Ich bin in einem Planungsteam mit ein paar coolen Leuten (vor allem Frauen!) rund um das Bonn.Lab, um im Mai den GirlsTechDay Bonn auf die Beine zu stellen. Wir werden Schülerinnen aus den Klassen 8-9 Einblicke in Technik, Computer und Web geben und ich kann nur sagen, dass das eine ganz fantastische Sache geben wird, die wir hoffentlich ab da jedes Jahr wiederholen können.
  • Ich konnte endlich mal wieder Yoga machen! Es war eine Offenbarung und mein Körper dankte es mir mit innerer Harmonie 😀 Leider ist die Art des Yogas mir etwas zu schnell (es gibt anscheinend ein langsames und ein schnelles) und deshalb muss ich nochmal weitersuchen. Aber Yoga ist jetzt ein fester Teil meines Lebens und wird, sobald die Kohle da ist, weiter gemacht 🙂
  • Am 19.3. wurde der Bonn-Center gesprengt. Jup, in die Luft gejagt und dem Erdboden gleich gemacht. Obwohl das Ding aus der Regierungszeit kein wirklicher Hingucker ist, so hängen doch viele schöne Erinnerungen an Pantheon-Veranstaltungen und Bowlingabende daran. Und so musste ich dann auch schlucken als das Gebäude im Livestream in sich zusammenfiel. Aber Veränderung ist gut! Und wichtig für diese Stadt.
  • Ich hatte die Ehre, im neuen Café „Brews Lee Coffee“ (hammer Name, ne?) in Endenich einen Kaffee genießen zu dürfen. Jimmy, früher mal im Werbeagenturleben tätig, hat sich zum Kaffeeexperten ausbilden lassen und versorgt nun seine Bonner Kundschaft nicht nur mit den genialsten Kaffeesorten, sondern auch mit verrückten Brühtechniken, ColdBrew-Experimenten, und vor allem: Wissen! So erfährt man schonmal eine Menge über Aromen in der Brühung, die Herkunft des Kaffees und wie man ihn trinken sollte. Ich habe noch nie so einen tollen Cafébesuch erlebt und empfehle euch Bonnern, unbedingt mal bei Jimmy vorbeizuschauen und es selbst auszuprobieren! Im Sommer gibt es auch vor der Türe ein paar Sitzplätze und so kann man sich vom Endenicher Ortsleben bei einer Tasse leckeren Flat White berieseln lassen. Empfehlung! 🙂

Insgesamt bin ich immer noch superfroh, zurück nach Bonn gekommen zu sein, denn ich merke immer wieder, dass die Menschen hier anders ticken und alles etwas entspannter zugeht als woanders. Und vielleicht krieg ich es bei soviel Entspannung ab jetzt ja auch mal mit dem regelmäßigen Bloggen hin^^

 

2 Kommentare

  1. Liebe Christiane,

    danke fürs Teilhaben lassen an deinem ersten April 🙂

    Bei mir löst dein Post vor allem Heimweh aus. Nach Fahrradtouren am Rhein, Wochenenden in der Rheinaue oder der Waldau und Kinoabenden im Woki oder im Rex. Alles vielleicht nur Kleinigkeiten, aber das gibt’s hier in Berlin halt nicht. Zwar habe ich hier gefühlt zum ersten Mal im Leben einen echten Freundeskreis, der über 1-2 Leute hinaus geht, aber es ist doch nicht „Zuhause“.

    Vielleicht sollte ich auch mal über das zurückkommen nachdenken. Bis dahin freue ich mich mehr von dir zu lesen.

    Micha

    Antworten

    • Lieber Micha,

      ich kenne das Gefühl das du hast sehr genau. Ich habe auch mehrere Jahre außerhalb von Bonn studiert und gearbeitet, „nach Hause kommen“ war immer Bonn und sein Rhein, die Wiesen, die City. Trotzdem denke ich, dass man in Berlin ein ganz wunderbares Leben haben kann. Kleine Kinos, im Park liegen oder Fahrradtouren – all das kannst du dort doch auch!? Ich war schon ein paar Mal in Berlin und erinnere mich an die warmen Sommerabende am Landwehrkanal, wo Studenten und Familien gemeinsam den Abend genossen und Spiele spielten und die Sonne über dem Wasser unterging – das war wie auf der Hofgartenwiese. Oder die spontanen Tanzsessions in so einem Amphitheater an der Spree. Der Monbijou-Park, wo alle grillten. Mit dem Bötchen über die Spree fahren. Am Wannsee schwimmen gehen. Der Mauerpark mit seinen Flohmärkten – wie die Rheinauenflohmärkte. Ich würde dir raten das alles erst mal auszuprobieren. Vielleicht hast du nur noch nicht die richtigen Menschen gefunden, mit denen du all das machen kannst? 😉

      Zu Hause ist ja auch ein innerer Zustand. Aber wenn das Äußere stimmt, passt sich das Innere oftmals an. So war es bei mir in Trier. Ich würde immer wieder dort leben wollen und Bonn den Rücken kehren.

      Ich wünsche dir, dass du dich bald mehr zu Hause fühlst <3

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