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Life is never easy.

Es ist so einiges passiert. Aber ich habe mich mit dem Bloggen zurückgehalten, weil meine Stimmung oft so im Keller war, dass ich Angst hatte etwas Gemeines zu schreiben. Also habe ich nichts geschrieben. Jetzt wird die Stimmung langsam besser. Der Frühling kommt und ich fühle, dass sich die Dinge zum Guten wenden.

Ich erinnere mich noch genau an die letzte Woche meiner Bachelorarbeit. Ich hatte alles genau durchgeplant, denn ich wollte in der zweiten Augustwoche nach Schottland, und mein Zeitplan ging auf. Dieser Moment, wenn du denkst du kannst alles von dir abfallen lassen, loslassen, mal wieder du selbst sein. Und dann stehst du in der Druckerei und alles geht schief. Wirklich alles. Und wieder fährst du den Schutzwall hoch, powerst das Kraftwerk an, obwohl du eigentlich gar keinen Brennstoff mehr hast.

Und so ist irgendwie auch mein Leben. Oder unser aller Leben. Wenn wir glauben wir haben etwas geschafft, wartet die nächste Hürde, die nächste Aufgabe. Wäre doch auch langweilig, wenn es nicht so wäre, denkt man dann. Und fragt sich, wie man überhaupt so weit gekommen ist, und warum diese kleine Mini-Aufgabe einem wie ein Mount Everest vorkommt, obwohl man schonmal zum Mond geflogen ist. Das Leben macht keine Pausen. Und wenn man doch eine möchte, muss man sie sich erzwingen. Oder sich von Dingen lösen, die einem nicht gut tun.

Die letzten Wochen habe ich mit der Suche nach einer Wohnung verbracht. Ich kann berichten dass die Wohnungssuche in Bonn schwerer, aber nicht unmöglich geworden ist. Nach zwei Besichtigungsterminen besaß ich plötzlich eine „Wohnungsbewerbungsmappe“ mit vorgefertigten Kopien für alles was man so braucht – Mieterselbstauskunft, Persokopie, Kopie der Meldebescheinigung, Gehaltsnachweise. Geschockt haben mich Nachfragen nach Schufa (die ich hier dann mal kostenlos! bestellt habe und die nach 3 Wochen kam) und Haftpflicht- und Hausratversicherung. Die meisten Hausverwaltungen und Wohngesellschaften haben eigene Auskunftsbögen, in denen man sowieso zum gläsernen Bewerber wird. Mehrfache Bonitätsauskünfte über Karteien sind keine Seltenheit. Da wird dann aber auch gefragt, wie lange man schon in Deutschland lebt, oder nach einer Bescheinigung vom vorigen Vermieter, dass man keine Mietschulden mehr hat. Da fällt man vom Glauben ab. Jahrelang die privaten Daten im Internet gehütet so gut es geht, und dann gibt man sich nur für das Interesse an einer Wohnung auf. Totaler Unsinn wenn ihr mich fragt.

Geholfen hat mir die Immobilienscout24-App, die einem die Wohnungsangebote als Push-Nachricht schickt, sobald sie reinkommen. Bei WG-Gesucht und Studenten-WG habe ich jetzt seit Anfang Januar nur eine Benachrichtigung für eine 2-Zimmer-Wohnung mit Balkon bekommen, das lohnte also nicht so. Ansonsten habe ich übers Netz Seiten von Wohngesellschaften durchforstet, Kalaydo, ebay Kleinanzeigen und Immonet. Und alle Facebook-Wohnungsgruppen. Und überall E-Mail-Benachrichtigung eingerichtet. Bei keiner Besichtigung war ich allein. Bei einer waren es mit mir ca. 6 Leute, bei einer anderen waren wir zu zweit. Überrascht war ich, wie viele Wohnungen trotz der Verlagerung der Provision auf den Vermieter von Maklern betreut wurden. Und überrascht war ich auch, mit welchen Methoden gearbeitet wird. Da wird man schonmal erpresst, eine Küche oder sonstige heruntergekommene Möbel vom Vormieter zu übernehmen, sonst kann man sich die Wohnung abschminken. Ein Makler bestand auf einer Besichtigung wochentags um 11 Uhr, andernfalls könne er mir keinen Termin geben. Da sitzt man wirklich fassungslos da. Das schlimme ist ja, dass die damit durchkommen. Danke sagen möchte ich mal all den Menschen, die mir immer wieder Wohnungsangebote geschickt haben, die ich so sonst nicht gefunden hätte. Danke liebes Netzwerk <3

Ganz ehrlich, vor 5 Jahren war das alles noch nicht. Es herrscht Wohnungsnot und das merkt man. Trotzdem habe ich jetzt eine Traumwohnung bekommen und freue mich, bald endlich wieder mein eigenes Heim (und schnelles Internet!) zu haben.

Letzte Woche war ich zudem auf einem Rundgang mit der Bürgerwerkstatt des Viktoriakarrées. Ich hatte zufällig gelesen dass es eine Führung ins Viktoriabad gäbe. Und tatsächlich, kurz darauf stand ich in dem Schwimmbad, in dem mir meine Großeltern das Schwimmen beigebracht haben!

Ein Schließfachschlüssel mit Band an einem Schrank in der Umkleide des Viktoriabades Das Nichtschwimmerbecken wird als Lagerplatz für Boote und Kanus der Bonner Vereine genutzt Das Schwimmerbecken mit seinem Sprungturm ist noch fast genau so wie vor vielen Jahren Das große Mosaikfenster, das unter Denkmalschutz steht, obwohl es aus Kunststoff ist! Ein Ruderboot aus Holz liegt neben dem leeren Schwimmbecken Ein Schild zeigt die Wassertiefe des Schwimmerbeckens an Das Muster aus geometrischen Formen in der Beton- und Glastrennwand Das Nichtschwimmerbecken mit Ruderbooten Gekritzel und Schmierereien auf den Umkleideschränken Schild mit der Beschriftung "Ausgang"

Tolle Kulisse, viel Nostalgie und irgendwie auch Trauer, dass die Ruine verkommt. Ich weiß noch wie ich als Kind in diesen Umkleiden barfuß herumlief, und es roch (gut) nach Chlor. Aber die Bürgerwerkstatt soll das ja ändern. Ich fand den Spaziergang im Viertel wirklich großartig. Alle waren total offen und hatten tolle Ideen, was man aus dem Block machen kann. Da fielen so Ideen wie Mehrgenerationenwohnen, Markthalle wie in Barcelona oder großer Biergarten auf gesperrter Straße am Café Blau. Und das von 50-60-jährigen! Bonn ist gar nicht stehengeblieben, im Gegenteil, in den Bürgern brodelt es, die sind modern und traditionsbewusst zugleich. Ich unterhielt mich mit tollen Menschen, lernte den Inhaber des Fahrradladens am Café Blau kennen und erfuhr, dass in dem Innenhof des Karrées vor einem Jahrhundert mal ein Franziskanerkloster mit Klostergarten stand! Krass, oder? Jetzt ziert den Innenhof ein Parkplatz. Was für eine Verschwendung.

So ganz durchdacht war die Bürgerwerkstatt aber nicht. Eine Stadtplanerin aus einem der Ausschüsse versuchte jeden ausgefallenen Vorschlag zunichte zu machen, und eine Architektin aus Münster(?), die mit ihren Studenten Modelle ohne Ortsbegehung entworfen hatte, war die Gruppenleiterin. Und solche Leute entscheiden dann am Ende über unsere Stadt. Da musste ich ein paar Mal den Kopf schütteln.

Blick auf den Rhein, während die Sonne weit und hell durch die Wolken bricht Blick auf den Ölberg und die anderen verschneiten Berge Ein Pärchen sitzt dick eingepackt auf dem verschneiten Drachenfelsplateau und bewundert die Aussicht auf den Rhein Eine Tafel auf dem Drachenfelswanderweg sagt "Ruh dich aus und kehr hier ein das rät der Wirt vom Vater Rhein" (Weinlokal)

Im Januar war ich noch auf dem Drachenfels wandern. Das war eine gute Idee, denn kurz nach meiner Wanderung wurde der Wanderweg wegen Steinschlags auf unbestimmte Zeit gesperrt. Obwohl es wegen des Schnees und der Kälte sehr glatt war, kämpfte ich mich hoch bis zur Burg und sog die Weite und Schönheit des Siebengebirges und des Rheinlandes in mich ein. Wandern macht den Kopf so schön frei, deswegen sollte man das oft machen 🙂 Vor allem in Zeiten wie diesen, wo man oft nur noch kopfschüttelnd Medien liest.

Bewegt hat mich in diesem Frühjahr die Netflix-Serie „The OA“. Das ist die Abkürzung für „Original Angel“. Es geht um eine junge blinde Frau, die verschwindet und nach vielen Jahren wieder auftaucht – und plötzlich sehen kann. Die Serie erzählt, was ihr in den vergangenen Jahren wiederfahren ist. Und das so bedrückend, faszinierend und szenografisch atemberaubend, dass man gefesselt vor dem Laptop sitzt. Produziert wurde die Miniserie von Brit Marling, die auch selbst die Hauptrolle spielt. Mich hat diese Serie daran erinnert, dass es neben unserer Realität viele andere Dinge gibt, die wir nicht verstehen. Ich kann das gut nachvollziehen. Yoga hat mich eine andere Sicht der Dinge gelehrt. Und das hat nichts mit Religiosität zu tun. Es geht darum, auf seine innere Stimme und seinen Instinkt zu hören, sich zuzuhören. In sich zu gehen. An sich zu glauben. Seine Kräfte und Grenzen zu erforschen und sich darauf verlassen zu können, wenn man sie braucht.

Sehr gut gefallen hat mir auch der Film „Brooklyn“ mit Saoirse Ronan, den ich mir bei iTunes (gezwungenermaßen) gekauft hatte. Er erzählt von der irischen Einwanderin Eilis, die sich in Brooklyn ein neues Leben aufbauen muss. Kann ich wirklich nur empfehlen den Film! Irgendwie innerlich beruhigend. Und die Männer damals waren noch richtige Männer, mit Manieren und Respekt *seufz*.

An meinem ersten Tag in der neuen Wohnung werde ich mich einfach auf den Boden legen und der Schönheit der Stille zuhören, und meiner inneren Stimme 🙂

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