Artikel
2 Kommentare

Ankommen.

Seit 24 Tagen bin ich nun „so richtig“ wieder in Bonn. Seitdem ist eine ganze Menge passiert, um mich herum und mit mir.

Die Entscheidung hierher zurückzukommen war goldrichtig. Ich war schon lange nicht mehr so zufrieden. Bis zur völligen Entspanntheit braucht es noch eine abgearbeitete To-Do-Liste und eine Runde Yoga, aber ich merke jetzt schon, wie mich der Wechsel glücklicher macht.

Seit dem 15.November arbeite ich nun für ein Software-Unternehmen in Bonn, das mich über Facebook gefunden hat. Seitdem lerne ich, was es bedeutet, in einem Unternehmen zu arbeiten, das offen und tolerant ist, die eigene Persönlichkeit und die eigenen Fähigkeiten respektiert, Wert auf intensive Kommunikation legt und vor allem: dir vertraut. Dir zutraut, dass du gute, für das Unternehmen erfolgbringende Entscheidungen triffst. So etwas habe ich tatsächlich in meiner Designer- und Entwicklerkarriere abgesehen von meiner Ausbildungszeit noch nie erlebt. Ich arbeite mit so unfassbar netten, offenen, aufrichtigen und kompetenten Menschen zusammen und habe zum ersten Mal in meinem Leben das Gefühl, beruflich angekommen zu sein.

Die neue 40-Stunden-Woche ist natürlich eine Umstellung. Ich lerne nun auch, mich frühzeitig um das Mittagessen für den nächsten Bürotag zu kümmern, plane Termine anders ein und weiter im Voraus. Eine neue Eigenschaft ist auch die Müdigkeit am Ende eines Arbeitstages. Das ist kein Kaputtsein-Müde, sondern einfach ein Müde-Müde, ein Ich-habe-etwas-geleistet-Müde. In den ersten Tagen irritierte mich das so stark, dass ich schon herumfantasierte, ob ich allergisch gegen den WG-Zimmer-Teppich bin 😉 Außerdem esse ich auffällig anders und weniger. Kein Frustessen mehr, sondern bewusstes Genießen.

Toll ist, dass ich jetzt plötzlich so etwas wie „echte Freizeit“ habe. Während des Studiums hat man eher eine Pseudo-Freizeit, selbst wenn man ausschläft oder shoppen oder ins Museum geht hat man immer Abgaben, Kurse, Stundenpläne, Termine und Noten im Nacken. Jetzt mache ich Feierabend und kann tun was ich will. Und am Wochenende wache ich auf und muss nichts machen wenn ich nicht möchte. Das habe so das letzte Mal in Schottland erlebt und es begeistert mich immer noch sehr 😀 Ich kann plötzlich Dinge, die man gerne auf die lange Bank schiebt, erledigen. Da ist plötzlich so viel Raum für Neues, und das gefällt mir.

Anfang November war ich als Leserin bei der 4xMi-Lesung im Café Friedrich eingeladen, die Johannes und Sylvia organisieren. Gefragt zu werden empfand ich als eine große Ehre. Tage davor war ich dann ein nervöses Wrack und wusste einfach nicht was ich lesen soll (obwohl meine Intuition mir schon den richtigen Text gegeben hatte). Und so entschied ich mich vor Ort im Bruchteil von Sekunden, meiner Intuition zu folgen, und las „Glücklichsein„. Puh. So nahegehende Texte vor fremden Menschen lesen, das war neu. Aber auch irgendwie gut. Und motivierend. Wie sonst in meinem Leben auch fiel ich mit meinem melancholischen Text neben neun lustigen völlig aus der Reihe, aber das bin ich gewöhnt und das war ok 😉 Als Auflockerung las ich zum Schluss noch Glückskeks-Texte live vor. Und das kam wohl ganz gut an. Die Idee kam mir beim Kistenpacken in Trier, als mir motivierende Glückskekszettel in die Hände fielen, die mich in meinem letzten Semester irgendwie begleitet hatten. Glück kann doch jeder gebrauchen, dachte ich mir damals. Zum Schluss saßen noch alle beisammen und bei Bier und Mate tauschten sich alle aus. Eine Aufzeichnung gibt es hier zu sehen. Insgesamt eine wunderbare und ungewöhnliche Veranstaltung, die ich nur jedem ans Herz legen kann.

Ebenfalls war ich beim World Usability Tag und beim UXBN-Treffen und habe da ganz ganz fantastische Menschen getroffen. Einfach mal einen ganzen Abend lang über Best Practices, Design, Frontend und Bonn reden macht mich so unfassbar glücklich und ich frage mich sehr oft warum ausgerechnet mir das vergönnt ist. Bonn hat sich da so viele tolle Dinge aufgebaut und erinnert mich daran, dass in der richtigen Umgebung und mit dem richtigen Willen alles möglich ist. Ich bin eine Macherin, und Bonn ist meine Stadt.

Ich möchte mich im Allgemeinen einfach mal bei den Bonnern bedanken. Ich war so viele Jahre im Exil und wurde hier so wunderbar freundlich empfangen und integriert als wenn ich nie weg gewesen wäre! Danke Lina, Johannes, Sascha, Sylvia, Johanna vom Bonn.Lab <3 – und viele andere, und natürlich ein Riesendanke an meine Familie und Freunde (ihr wisst wer ihr seid) die mich seit über 20 Jahren durch mein Leben begleiten und die ich jetzt wieder öfter sehen kann. So zusammensitzen und quatschen und Bier trinken ist so viel besser als Skype und Telegram, und so viel näher <3

2 Kommentare

  1. Ich freue mich, dass du gut wieder angekommen bist. Dass ich einen kleinen Anteil dazu beitragen konnte, macht mich sehr stolz. Ich freue mich auf viele weitere Gelegenheiten! 🙂

    Antworten

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.