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Wie ich mich online für einen Job bewarb und warum ich das Internet so liebe

Am 11.Oktober 2016 veröffentlichte ich zeitgleich auf Facebook und Twitter meine Anzeige für eine Suche nach einer neuen Stelle als Web- oder User Interface Designerin. Ich entschied mich bewusst für diese beiden Plattformen, denn Twitter ist aus meiner Erfahrung die Plattform mit der größten Reichweite und dem größten Anteil an Webworkern in meiner Timeline und meinen Followern, und Facebook besitzt den größten Anteil an Menschen aus meiner Heimatstadt Bonn, die Wissen über aktuelle offene Stellen besitzen. Diese Schnittmenge sollte ausreichen, um die passenden Personen zu erreichen. Xing kam für mich nicht in Frage, weil ich dort häufig die traurige Erfahrung machen musste, dass Anzeigen und Suchen zwar wahrgenommen, aber oftmals pauschal interpretiert werden, d.h. dass Inhalte und Qualifikationen nicht gelesen werden und es dann bei einer Anfrage per privater Nachricht oftmals zu der Erkenntnis kommt, dass die angebotene Stelle gar nicht passt.

Was dann passierte, konnte ich mir jedoch nicht in meinen kühnsten Träumen ausmalen. Der Post wurde fleißig geteilt, weiterempfohlen, ich erhielt E-Mails, private Nachrichten und Replies. Die nächsten Tage verbrachte ich mit dem Beantworten von Tipps und Anfragen.

Hier einmal die Zahlen:

Facebook

Der öffentlich gemachte Facebook-Beitrag wurde innerhalb von Facebook

  • 24 mal geliked
  • 6 mal kommentiert und
  • 4 mal geteilt.

Die vier Personen die ihn teilten würde ich mal als „Influencer“ bezeichnen, da sie innerhalb der digitalen Community in Bonn und dem Umkreis eine große Reichweite besitzen. Ich erhielt zudem

  • 6 private Nachrichten

mit direkten Anfragen von Mitarbeitern von lokalen Unternehmen oder Hinweisen auf Stellen im Umfeld von befreundeten Personen.

Twitter

Twitter-Statistik für den Jobsuche-Post

Twitter-Statistik für den Jobsuche-Post

Der öffentliche Tweet wurde

  • 18 mal mit „Gefällt mir“ angeklickt
  • 74 mal geretweetet
  • der Portfolio-Link 51 mal geöffnet und
  • mein Profil 61 mal angeschaut.

Die gesamte Reichweite liegt bei 6.448 Personen. Ich erhielt

  • 5 direkte Replies und
  • 1 unabhängige Reply sowie
  • einen Stellenvorschlag per Direct Message.

Xing

Durch die Verlinkung meines Xing-Profils in der Stellensuche erhielt ich

  • 1 Anfrage von einem Unternehmen

über die Xing-Nachrichten.

E-Mail

Per E-Mail erhielt ich

  • von 1 Person hilfreiche Tipps und Links

die meine Jobsuche in einem lokalen Netzwerk weitergeleitet hatte. Zudem schrieben mich

  • 5 Unternehmen

mit offenen Positionen direkt an, die über Empfehlungen von meiner Jobsuche erfahren hatten.

Eine weitere Anfrage kam von einem Unternehmen per Telefon sogar noch drei Wochen nach dem Aufruf.

Piwik-Besucherzahlen

Piwik-Besucherzahlen

Schon früh habe ich mein Online-Portfolio an das Analyse-Tool Piwik angebunden. Für den 11.Oktober springt die Anzahl der Seitenaufrufe von durchschnittlich 6-10 pro Tag auf 155 Aufrufe mit einer durchschnittlichen Aufenthaltsdauer von rund 3 Minuten. Mit einer eindeutigen Besucherzahl von 75 liegt der Aufruf über das Smartphone leicht vor den Desktop-Aufrufen von 63 Besuchern. Ein wichtiger Hinweis auf den Vorteil von responsiven Portfolios.

Die Vorbereitung

Die Stellenanzeige selbst war eingebettet in mein responsiv optimiertes WordPress-Portfolio www.christianetaenzer.de, das seit letztem Herbst online ist. Es spiegelt aktuelle und relevante Arbeiten aus meiner Freelancer-Tätigkeit und meinem Studium wider. Für die Online-Bewerbung habe ich Bilder und Texte überarbeitet, Referenzen ergänzt, andere aufgrund ihrer fehlenden Relevanz zu der gesuchten Stelle entfernt, Ladezeiten verringert, Programmierfehler behoben und meine Bachelorarbeit integriert. Als URL/Seitentitel habe ich den einfach verständlichen Begriff „Jobsuche“ verwendet. Als Möglichkeit für die Kontaktaufnahme standen eine für das Portfolio eingerichtete E-Mail-Adresse, meine Handynummer sowie eine Verlinkung zu meinem Xing-Profil zur Verfügung. Ein Kontaktformular habe ich aus Gründen der Unpersönlichkeit bewusst ausgeschlossen.

Beim Schreiben des Textes habe ich mich am Text der großartigen Christine Dingler orientiert, die vor einigen Jahren mit ihrer Online-Jobsuche in die digitalen Schlagzeilen kam. Christine hat eine fantastische Vorlage für eine gut verständliche, klare und umfassende Online-Bewerbung geliefert, die keine Fragen offen lässt. Ich legte Wert darauf, einen Text zu verfassen, der beschreibt wer ich bin, was ich gelernt habe, welche Qualifikationen ich einem Arbeitgeber anbieten kann und wie das Unternehmen aussehen soll, das ich suche. Belegt wurden meine Aussagen mit meinen Referenzen, die der Besucher auf der gleichen Seite erreichen konnte.

Zudem habe ich, wie in dem Buch „Per Netzwerk zum Job“ von Ute Blindert gelernt, vorher meine Social Media-Profile bei Facebook, Twitter und Xing bereinigt, Profilbeschreibungen überprüft und ausgetauscht und Berufserfahrungen ergänzt.

Ich habe es bei der Gestaltung meiner Texte und Referenzen wie bei der Umsetzung der Bewerbungsunterlagen gehalten: fokussiert, reduziert aber aussagekräftig, mit der Möglichkeit, sich schnell einen Überblick zu verschaffen und ebenso schnell Kontakt aufzunehmen.

Ich hätte die Suche sehr gerne noch durch ein Video oder bessere Fotos von mir ergänzt, wollte aber auch nicht mehr so lange warten. Ich wollte außerdem auch herausfinden, wie Unternehmen auf eine Jobsuche ohne Foto und Lebenslauf reagieren, die alleine auf Referenzen basiert.

Was ich von der Online-Stellensuche mitnehme

Zunächst kann ich sagen, dass die Suche zu dem gewünschten Erfolg geführt und mir den entscheidenen Tipp für meine künftige Stelle gegeben hat, die ich Mitte des Monats antrete. Ich bin positiv überrascht, dass es Facebook war, das ausschlaggebend war.

Die zahlreichen Rückmeldungen haben mich gefreut und überwältigt und es sind Gespräche und Kontakte zustande gekommen, die sicher auch in Zukunft von Bedeutung sein werden. Besonders die Darstellung und die Fokussierung meiner Portfolio-Referenzen wurde oft gelobt und als entscheidend für eine Kontaktaufnahme benannt.

Insgesamt hat mich meine Online-Stellensuche an die wahre Bedeutung und Kraft des Internets erinnert: die Vernetzung und der Wert der persönlichen Weiterempfehlung. Ich habe mit relativ wenig Aufwand eine sehr große Anzahl von Interessierten, Arbeitgebern, Mitarbeitern und Tippgebern erreicht. So habe ich von lokalen Unternehmen erfahren, die ich vorher nicht auf dem Schirm hatte und die durch eine reine Google-Suche aus meinem Raster gefallen wären. Dafür bin ich außerordentlich dankbar!

Sehr zufrieden bin ich auch mit der Art der Stellen, die mir angeboten oder empfohlen wurden. Durch meine genaue Beschreibung und die Angabe des gewünschten Arbeitsortes habe ich nur sehr wenig Angebote erhalten, die nicht auf meine Beschreibung passten. So konnte ich mich besser auf die einzelnen Angebote konzentrieren und schneller reagieren. Positiv anzumerken ist hier auch der Zeitfaktor: Suche, Kontaktaufnahme und Vorstellungsgespräche kamen innerhalb von 3 Wochen zustande. Bei einer klassischen Bewerbung habe ich oft schon einen Monat auf eine Rückmeldung warten müssen.

Ich denke dass es in Zeiten von Fachkräftemangel und dem Verschwimmen von Disziplinen wichtig ist, sich deutlich in seinem Arbeitsbereich zu positionieren und zu äußern, wie und wo man gerne arbeitet, in welchem Umfeld man sich am besten entfalten kann und was man braucht, damit man auch langfristig gute Ergebnisse bringen kann. Das Internet bringt Arbeitnehmer und Arbeitgeber zusammen, die sich sonst nicht gefunden hätten. In „klassischen“ Stellenanzeigen wird oft viel versprochen und viel gefordert. Stellt man jedoch von vornherein selbst klar, was man sich wünscht und was man bieten kann, erhält man konkretere Angebote, da viele unpassende Stellen bereits herausgefiltert werden. Was kann es besseres geben als wenn sich Topf und Deckel finden?

Voraussetzungen

Um sich online zu bewerben braucht es jedoch ein ganz entscheidendes Kriterium: man muss bereits wissen, wer man selbst ist, was man kann und wo man in Zukunft hin möchte. Coachings, Workshops und Bewerbungstrainings haben mir persönlich dabei geholfen. Zudem sollte man schon etwas Berufserfahrung besitzen, um ein Gefühl dafür zu haben, was man braucht und was nicht. Ausdrucksstarke, aktuelle und auf die jeweilige Stelle ausgerichtete Referenzen sollten die gemachten Angaben belegen, damit die Beschreibung glaubwürdig ist. Zu diesem „Job-Profil“ sollte man überall stehen, es einheitlich auf den verschiedenen Online-Kanälen kommunizieren und in der Lage sein, dies auch in einem persönlichen Gespräch zum Ausdruck zu bringen. Dabei hilft beispielsweise auch ein Claim, der kurz und knapp beschreibt, in welcher Branche man tätig ist. Am Ende betreibt man Marketing für sich und seine Leistungen, das bei konsequentem Einsatz in der entscheidenden Situation oft den Ausschlag gibt.

Ein wichtiger Faktor ist auch, seine Netzwerke zu pflegen. Wer regelmäßig seinen Kreis auf Twitter erweitert, von seiner Arbeit und seinen Werkzeugen berichtet, sich mit anderen Menschen austauscht und sich in lokalen und Online-Netzwerken engagiert hat bei der digitalen Stellensuche einen sehr großen Vorteil. Diesen Faktor sollte man auch unabhängig von der Suche nicht unterschätzen. Ich vertrete zudem die Ansicht, dass Netzwerken aus Geben und Nehmen besteht. So teile ich jede Stellensuche die in meiner Timeline auftaucht. Vielleicht verhelfe ich so einem anderen Suchenden zu der passenden Position?

Nach aufregenden vier Wochen komme ich so langsam in Bonn an und freue mich auf die neuen beruflichen Herausforderungen, auf die Kollegen, mit denen ich arbeiten werde sowie auf Treffen mit den Menschen, die ich durch die Jobsuche kennengelernt und wiedergetroffen habe. Ich kann wirklich nur jedem, der nach einer neuen Position sucht, empfehlen, sich mit einer Online-Bewerbung zu beschäftigen oder diese auszuprobieren. Selbst wenn sie am Ende nicht den gewünschten Tipp bringt, so bringt sie einem viele neue Eindrücke, Themen, Unternehmen und Menschen näher, die man über eine klassische Stellensuche nicht gefunden hätte. Und darum liebe ich das Internet so!

6 Kommentare

  1. Liebe Christiane, ach, was freue ich mich, deinen Artikel zu lesen! Danke auch, dass du mich mit meinem Buch erwähnt hast;-) Ich wünsche dir alles, alles Gute und viel Erfolg! Deinen Artikel empfehle ich gern weiter, vor allem an all die Zweifler, die denken, Netzwerken wäre etwas komisches und würde nix bringen. LG Ute

    Antworten

    • Liebe Ute,
      vielen Dank für deine lieben Worte! Ich danke aber auch dir, für die Tipps in deinem tollen Buch, aber auch deinen Rat in den letzten Jahren, das hat mir sehr geholfen <3 Teile den Beitrag sehr gerne, es wird Zeit dass der Mythos, Netzwerke bringen nichts, endlich begraben wird 😉

      Antworten

  2. Liebe Christiane,

    großartiger Bericht, für den ich Dir sehr dankbar bin. Auch ich gehe gerade Deinen Weg um einen Job im digitalen Marketing zu finden ( ebenfalls mit dem genannten Buch von Ute Blindert). Da mein Umfeld meinen Einsatz im Bereich Netzwerkaufbau für nicht sinnvoll und ergebnisorientiert befindet, bin ich so froh von Deinem Erfolgserlebnis zu lesen. Ja es ist ein unglaublich aufwendiger Zeit- und Kraftakt sein Personal Branding im Netz auf Hochglanz zu polieren, dennoch glaube ich dran, dass irgendeiner dieser gepflanzten Samen etwas Positives hervorbringt. Herzlichen Glückwunsch Dir zum neuen job!
    LG Eva

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    • Liebe Eva,
      ich freue mich dass ich Dir mit meinem Post weiterhelfen kann 🙂 Ich stimme mit Dir überein, beim ersten Mal ist der Aufwand für das richtige Bewerben der eigenen Persönlichkeit und Stärken groß. Der Vorteil ist aber, dass die digitalen Tools und Dienste es einem leicht machen, in Zukunft alles mit wenigen Änderungen auf dem neuesten Stand zu halten und so investiert man eben auch langfristig. Netzwerkaufbau ist für mich extrem ergebnisorientiert, denn ich erweitere mein Umfeld ja um Menschen, die ich sonst nicht kennengelernt hätte, mit dem Ziel, dass sich mein Horizont erweitert. Welches bessere Ergebnis könnte es geben? 😉

      Ich wünsche Dir ganz viel Erfolg für Deine digitale Jobsuche und bin mir sicher, dass auch Du bald Deinen Wunsch-Arbeitgeber triffst! Berichte doch gerne auch online über Deinen Weg zum neuen Job!

      Viele Grüße, Christiane

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  3. Vielen Dank für diesen Artikel. Ich bewerbe mich seit langer Zeit „konservativ“ und habe nicht viel erreicht. Höchste Zeit, neue Wege zu gehen. Dein Artikel macht mir Mut. Ich werde ihn auch anderen empfehlen.
    Besonders klasse finde ich, dass du die einzelnen Schritte nicht nur benannt, sondern auch beschrieben hast. Das ist eine richtige Handlungsanweisung. Man kann ihr folgen oder sich für einen anderen Weg entscheiden.
    Bleibt mir nur, die einen tollen Job mit einem ebenso „aufgeklappten“ Team zu wünschen. Ich wünsche es dir jedenfalls, denn du hast es verdient.
    Karin

    Antworten

    • Liebe Karin,
      vielen Dank für Dein Lob zu dem Artikel, darüber freue ich mich sehr 🙂
      Mir ging es darum, auch anderen Menschen aufzuzeigen, wie einfach eine solche Online-Bewerbung eigentlich ist und wieviel Resonanz sie erzeugt. Netzwerken macht nicht nur Spaß, es bringt einen auch zum Traum-Job, da bin ich fest von überzeugt. Ich kenne sehr, sehr viele Menschen die über Netzwerke – gleich ob lokal in ihrer Stadt oder im Internet – eine/n Mitarbeiter/in ihrer zukünftigen Firma kennengelernt oder von einem noch nicht öffentlich gemachten Jobangebot erfahren haben.

      Die digitale Jobsuche mag durchaus nicht für alle Branchen genau so funktionieren wie ich es beschrieben habe, aber ich denke sie erzeugt positive Aufmerksamkeit und das ist in einer Zeit, in der es oft schwer ist, eine Stelle zu finden, Gold wert. Ich wünsche Dir, dass Du den für Dich richtigen Weg findest und auch bald Erfolg mit der Jobsuche im Netz hast! Denn auch Du hast das verdient, denn ich bin mir sicher, Du hast besondere Talente und Qualifikationen, mit denen Du überzeugen kannst. Setz sie ins richtige Licht und vielleicht bist Du bald erfolgreich damit 🙂

      Viele Grüße,
      Christiane

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