Artikel
0 Kommentare

Bewusst „offline“ sein schärft den Blick!

Sonnenuntergang in Holland

Letzte Woche war ich im Urlaub in Holland. Ich entschied mich bewusst für das komplette Offline-Sein. Wenn man über die Landesgrenze fährt, kribbelt es noch ein bisschen: Was mache ich jetzt mit meiner Zeit? Was, wenn etwas weltbewegendes passiert, während ich kein Twitter habe? Woher bekomme ich Informationen zur aktuellen Verkehrslage? Soll ich nicht doch einen internationalen Speed-Pass buchen? Da wird einem dann doch die Abhängigkeit zum Internet bewusst.

Abhilfe schafften bei mir Magazine, die ich mir ebenfalls bewusst mal wieder gegönnt hatte. Ich lese immer ganz gerne die Brigitte, die t3n und die Zeit: Wissen. Man glaubt ja oft, da stehe nichts mehr drin, was Facebook oder Twitter nicht schon zehnmal gepostet hätten. Falsch gedacht! Nach kurzer Zeit war ich in den Artikeln versunken und vergaß völlig, dass ich keinen Zugang mehr zu Netzinformationen hatte.

Vor Ort angekommen machte mir dann das Free Wifi des Campingplatzes einen Strich durch die Offline-Rechnung. Free Wifi auf einem Campingplatz! Doch zum Glück stellte sich bald heraus, dass der Empfang nur weiter vorne gut genug war, um zu surfen.

Der Moment, wo man wieder ins Grübeln kommt, ist der, wo man etwas Schönes erlebt, das man teilen möchte. Wie dieser fantastische Sonnenuntergang am zweiten Abend, mit malerischen Wolkenformationen, bunten strahlenden Farben, der Wärme im Gesicht, während es wie Hechtsuppe zieht und der feine Sand die Haut peelt. Und dann fliegen auch noch hunderte Wildgänse kreischend und in Formation über deinen Kopf hinweg! „Das muss ich instagrammen!“ denkt man da sofort. Und doch fiel es mir nicht mehr schwer, es nicht zu tun. Denn es gab um mich herum so viel zu sehen, zu entdecken, die Vorfreude auf alles Neue war groß. Irgendwann war mir klar: mit mir selbst genießen reicht mir völlig und bringt eine lange vergessene, innere Ruhe mit sich.

Während meines Urlaubs hatte ich auch noch Geburtstag. Wie würde es sein, wenn ich nicht erreichbar bin? Ich hatte nur wenigen kommuniziert, dass es Zeit für eine Auszeit war. Und tatsächlich trudelten bei jedem Wifi-Empfang neue Nachrichten und SMS und Anrufe ein. Ich freute mich still und ließ sie Nachrichten sein. Und wendete mich wieder dem Camping-Abenteuer, dem Strand mit Ebbe und Flut, dem Muscheln sammeln, der Sprache und dem tollen Essen zu. Und genoss die Ruhe, nicht antworten zu müssen.

Und war es schlimm, dass ich nicht erreichbar war? Nein. Viele schrieben später „Kann ich verstehen.“ oder „Achso, ja, hätte ich auch so gemacht.“

Ich war nur 5 Tage weg, aber der „Digital Detox“ hat tatsächlich etwas gebracht: ich habe wieder diese Gelassenheit gegenüber der Digitalen Welt in mir. Ich möchte lieber bloggen und der Welt erklären, was es mit einem bestimmten Moment oder Erlebnis auf sich hat. Aber einen Teil behalte ich für mich und zehre davon, wenn es wieder stressig wird im Alltag. Ich habe das Gefühl, wenn es nicht „rausgehauen“ wurde, habe ich länger etwas davon.

Der nächste Urlaub kann kommen!

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.