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So war das Barcamp Köln!

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Hamburg, Berlin, der Ruhrpott, Stuttgart, München – sie alle haben seit Jahren ein eigenes Barcamp oder ein großes Themen-Barcamp. Nur Köln hinkte hinterher, nachdem es nach dem letzten Barcamp Cologne 2009 keines mehr gab. Ich selbst nahm noch 2010 am Photocamp Cologne teil, das jedoch als Parallelveranstaltung zur Photokina zu spezialisiert war. Dem haben sich Anne, Brigitte, Christine, Mona, Sonja und Stefan nun angenommen und in den Räumen von QSC vom 23.-24.08.2014 das neue Barcamp Köln ausgerichtet. QSC sitzen in Köln-Ossendorf, nahe dem Ikea am Butzweilerhof.

Und es hat mir sehr gut gefallen! Die Räumlichkeiten sind perfekt für ein Barcamp (zwei „Ableger“ mit mehreren kleinen Räumen und ein großer Treffpunkt-Raum samt Kantine in der Mitte) und die Organisation und die Verpflegung waren wunderbar. Zum Frühstück gab es eine große Auswahl belegter Brötchen, Obst, Säfte und Wasser. Zu Mittag hatten wir die Auswahl zwischen ca. 15 verschiedenen Salaten, Spinatlasagne, Chili con Carne, Nudeln, Reis und Spaghetti Bolognese. Und zum Abendessen, wo viele eigentlich noch glücklich mit den Mittagessen-Resten waren, wurden wir mit einer großen Auswahl an Käsesorten und Salaten sowie Antipasti überrascht. Ob Fleischliebhaber, Vegetarier oder Veganer – es war für alle etwas dabei.

Zudem versorgten uns Sonntagmorgen-Kaffee das ganze Wochenende über mit zwei verschiedenen Kaffeesorten, die rund um die Uhr nachgefüllt wurden. Für lockere 19 Euro für zwei Tage ist das keine Selbstverständlichkeit! Daher ein großes Dankeschön an die Sponsoren (QSC, Sijox, GLS Bank, msh and more, TechSmith, Basta!media, Sparhandy, immowelt.de, iOff, Media Injection und Sonntagmorgen), die dafür gesorgt haben, dass man sich während der beiden Tage rundum wohl gefühlt hat! Gerade wenn man eine etwas längere Anreise hat ist es immer schön, wenn man sich auf einem Barcamp nicht noch Gedanken um die Versorgung machen muss.

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Meine Sessionauswahl war dieses Mal etwas unkonventioneller. Im Timetabler könnt ihr sehen, welche Sessions angeboten wurden. Irgendwie fand ich es schön, dass die Sessions mehr Content- und wenig techniklastig waren. So war man „gezwungen“, sich mit völlig fachfremden Themen zu beschäftigen. So kam es auch, dass ich als erstes in der Vine-Session von Nicole und Brigitte saß. Dort ging es gleich zur Sache: Einführung in die Funktionen der Vine-App, Q&A zu bestimmten Effekten – und dann natürlich selbst vinen. Dafür hatten die beiden Unmengen an Material mitgebracht: PlayDoh-Knete, Holzfiguren, Muscheln, Buntstifte und Papier, diverse Gegenstände die man als Stative benutzen kann. Und vinen ist gar nicht so einfach wie es klingt! Wie bei einem guten Foto braucht man ausreichend Licht, einen guten Winkel zur Aufnahme sowie ein Konzept, was in dem Stop-Motion-Video zu sehen sein soll. Dabei gilt: je kleinschrittiger die Bewegungen sind, umso besser.

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So sieht z.B. ein Vine aus (und nein, die Kabelhalter-Idee stammt nicht von mir, ich habe sie nur weitererzählt 😉 ):

Leider musste ich kurz darauf feststellen, dass meine Version des Cyanogenmod Probleme mit der Vine-App hat. Daher blieb mir nur das Zuschauen bei den anderen Teilnehmern. Digital hilflos – sowas ist mir auch noch nicht passiert 😉

In der Session „Magic Mirror“ stellte @fo0bar sein Raspberry Pi-Projekt mit einem magischen Spiegel vor. Mithilfe eines ganz normalen PC-Monitors, einem Spion-Spiegel (auf einer Seite verdunkelt, auf der anderen verspiegelt, trotzdem sieht man durch – kennt man aus Crime-Serien), ein bisschen Raspberry Pi-Code, einem Ultraschall-Sensor und einem Holzrahmen hat er sich einen Spiegel gebaut, der beim Annähern oder Davorstellen Uhrzeit, Wetter, Nachrichten sowie einen Kommentar (z.B. „You look sexy today!“) einblendet. Gesynct wird das ganze über Wifi. Mein Bastler-Herz war sofort hin und weg! Gekostet hat ihn das ganze rund 350 Euro. Ich bin jetzt schon ganz scharf darauf mir sowas auch zu bauen! Ein Raspberry Pi liegt bei uns eh noch rum, und ich möchte schon lange ein Display mit allen anstehenden Terminen. Ich liebe diese Sessions, wo man scheinbar komplizierte Dinge ganz einfach erklärt bekommt und man so viele Fragen stellen darf wie man will 🙂

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In „Hinfallen, aufrichten, Krönchen richten“ wurde das Thema „Scheitern als Chance“ behandelt. In liebenswert persönlichen Erzählungen gaben die Teilnehmer/innen Situationen aus ihrem Leben preis, in denen sie vermeintlich beruflich oder privat „gescheitert“ sind, wie sie damit umgingen und was sie daraus gelernt haben. Dabei wurde schnell klar: geradlinige Lebensläufe sind heutzutage eine Ausnahme, Studienabbrüche aus vielen Gründen Normalität. Berufliche Entscheidungen, die man vor zehn Jahren noch für richtig hielt, würde man so heute nicht mehr treffen, weil Gesundheit und Privatleben darunter gelitten haben.

Übereinstimmend wurde festgestellt, dass das Thema „Scheitern“ in Deutschland noch eine viel zu geringe und vor allem abwertende Rolle spielt. Es wurde zum Beispiel auf das Failcamp in Berlin hingewiesen, und auch Creative Mornings haben den August dem Thema „Failure“ gewidmet. Man darf also hoffen, dass die Kultur des Scheiterns auch irgendwann in Deutschland Einzug hält und Geschäftsführer erkennen, dass Menschen, die viele Umwege gemacht haben, ihren Mitbewerbern gegenüber einen Vorteil haben: sie haben herausgefunden, was sie wirklich wollen.

Besonders in Erinnerung geblieben ist mir der Abschlusssatz eines Teilnehmers: „Wenn man denkt die eigene Karriere läuft total schief, muss man sich nur an Steve Jobs erinnern. Der ist mit 30 aus seinem eigenen Unternehmen geflogen – und hat dann später das Apple-Imperium geschaffen.“ – wie wahr, wie wahr.

Um gleich bei der Karriere zu bleiben, ging es danach hinüber zur „Selbsthilfegruppe Aquise“. Wenn man sich, so wie ich, gerade neben dem Studium selbständig macht, sind wertvolle Tipps immer willkommen. Da viele Selbständige anwesend waren, drehte sich das Thema bald um „Do’s“ und „Don’t’s“ in Sachen Aquise. Sei es die Nutzung von Xing, Anfragen für Gratisarbeit oder „Clients from Hell“ – ich habe einige sehr schöne Best-Practice-Beispiele mitgenommen:

– Sich klarmachen: wie sieht mein idealer Kunde aus, den ich bedienen kann? Welche Eigenschaften und Charakterzüge hat er oder sie, welche Wünsche in Bezug auf das Produkt oder Projekt, wieviel Zeit fordert sein/ihr Projekt von mir? (Richtungsfindung für ideales Zeit- und Kundenmanagement)

– Zeiträuber für sich definieren: welche Kunden rauben mir die Zeit (z.B. durch ständige Support-Anrufe etc.)?

– bei Gratisanfragen (z.B. Texte als Gratisproben) sollte man auf die Referenzen verweisen oder einen Kostenvoranschlag anbieten. Viele potentielle (aber ungeeignete) Kunden winken dann erfahrungsgemäß schon ab.

– Aquise nicht in Ruhepausen machen, sondern wenn es gut läuft. So hat man aktuelle Referenzen und kann sich ein Auftragspolster für schlechtere Phasen bauen.

– wenn man als Sprecher nicht gebucht wird, überlegen, ob man nicht eine eigene Konferenz zu dem Thema organisiert

– Flop-Projekte kann man für den „inneren Abschluss“ als Blogpost verarbeiten – dabei aber sachlich und objektiv bleiben und niemals Namen nennen!

– unschlüssige oder unsichere Kunden kann man auch mal in ein Angebot „hineinlenken“. Vorgefertigte Formulare vor Projektbeginn fragen ab, welche Dokumente und Materialien wirklich vorliegen und was noch angefordert werden muss (Zeitersparnis).

– Referenzen immer nur für die Arbeit geben die man selbst geleistet hat (bei Programmierung einer Webseite explizit darauf hinweisen, dass das – eventuell furchtbare – Screendesign von einer externen Firma kam)

– Aquise hat viel mit Bauchgefühl zu und man sollte einen Auftrag, der schon im Vorfeld Bauchschmerzen verursacht, lieber ablehnen.

– Nachaquise: sieben Mal, weil viele andere Anbieter vorher abspringen (dabei aber unaufdringlich bleiben).

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Zum Abschluss des Samstags gab es noch eine Session mit Einblicken in tixxt, das neue mixxt, sowie eine Session zum Thema Imkern von @50hz und @51hz. Darin lernte ich z.B., dass Bienen eigentlich sehr friedliebend sind solange sie ihre Königin um sich herum haben, dass Monokulturen zu Bienensterben führen oder dass man Bienenvölker sammelt, indem man sie einfach vom Ast in einen Eimer umkippt – die Bienen sind wegen der Pheromone eh so benebelt, dass sie nichts davon merken. Spannend!

Nachdem es abends für mich und einige andere DoctorWho-Verrückte noch in die Season-Preview der 8.Staffel ging (ja, auch dafür finden sich Gleichgesinnte auf Barcamps!), fing ich den Sonntag etwas entspannter an.

In „Kliniken Stuttgart – Digitale Katasthrophen“ erzählte Krankenpfleger @fripi, wie Kliniken mit Social Media umgehen, welche Pannen es im Bereich EDV schon gab und dass „Social Media Guidelines“ für Krankenhauspersonal eher die Ausnahme sind – was schon zu einigen peinlichen Facebook-Fotos geführt hat.

In der Session „Bevölkerungsschutz und Katastrophen“ gab @katjazwitschert einen Einblick in die Arbeit des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe. Katastrophenvorbereitung ist heutzutage gar nicht mehr so bekannt und viele Menschen wissen zum Beispiel auch gar nicht, was die verschiedenen Signale der Warnsirenen bedeuten. Da es heutzutage keine Bunker mehr gibt, sollte man sich immer im Keller in Sicherheit bringen. Die politische Lage in Europa sorgt dafür, dass Angriffe immer wahrscheinlicher werden, so wie es gerade in der Ukraine passiert. Trotzdem warnte Katja vor Panikmache. Zum Abschluss gab es noch Infos über sogenannte „Prepper“, also Menschen in den USA, die sich jederzeit auf eine Katastrophe vorbereiten und ständig Waren in ihren Häusern für den Notfall bunkern. Absurd und nachdenklich machend zugleich.

Gegen fünf Uhr endete das Barcamp Köln. In der Abschlusssession gab es nur Lob, keine wirkliche Kritik. Dem kann ich uneingeschränkt zustimmen. Lobend hervorzuheben sind noch das einwandfreie W-LAN und die umfassende Auswahl an Steckdosen in den Räumen des QSC. Und Themen-mäßig habe ich wieder einiges mitgenommen!

Danke liebes #barcampkoeln, danke liebe Sponsoren und Organisatoren! Ich komme gerne nächstes Jahr wieder!

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