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Einstieg in die App-Entwicklung

Sketchpads for Android

Im Oktober schrieb ich einen Post über die katastrophalen Apps für Android, insbesondere die Twitter-Clients. Mangels Zeit war ich bis jetzt nicht dazu gekommen, mich wirklich mit dem Thema zu beschäftigen. Doch nun hat es mich wieder eingeholt. Derzeit nutze ich Plume, das nach einem Update tatsächlich sehr viel benutzerfreundlicher ist, auf einem Galaxy Nexus 4. Trotzdem möchte ich nicht glauben, dass das UI-technisch das Höchste der Gefühle sein soll.

Ich baue mir also einen eigenen Client. Ob Twitter oder App.net entscheide ich später. Vorrangig baue ich den Client für mich, um einfach mal auszutesten, was möglich ist, und um mehr in die App-Entwicklung einzusteigen. Die meisten Clients scheitern nämlich an der Fülle der von Usern gewünschten Funktionen. Die neue Twitter-API hält mich davon ab, das Ganze für eine größere Öffentlichkeit zu tun. Daher bietet sich App.net eher an. Aber wir werden sehen.

Das Problem an den aktuellen Clients ist der UI-Styleguide von Android. Die einen werden meckern, sei doch mal froh dass es endlich mal allgemeingültige Design- und Benutzungsrichtlinien gibt, die bis aufs Äußerste getestet wurden. Das Problem ist, dass diese Richtlinien dafür sorgen, dass man das UI nicht mehr weiterdenkt, weil Google gute Begründungen liefert, seine eigenen zu nutzen. Das Android GUI ist funktional, einheitlich, barrierearm. Google gibt drei verschiedene Themes vor: „Holo Dark“, „Holo Light“ und „Holo Light with dark action bars“, zu sehen hier. Dazu gibt es Vorgaben für Farbtöne, Icons und Typo sowie die allgemeinen Workflows und Screens.

Das alles ist ziemlich plausibel, aber es ist macht vor allem eines: es nimmt dem Entwickler Denkarbeit ab. Bei iOS ist das GUI nichts neues mehr. Es ist im Prinzip sogar Pflicht, weil der Apple-Store z.B. ab Mai Apps ablehnt, die nicht für Retina oder IPhone 5 optimiert sind. Dennoch hält es App-Entwickler nicht davon ab, außerhalb des Rahmens zu denken. Gute Beispiele sind z.B. Wunderlist oder Tweetbot.

Bei Android bestehen diese Richtlinien erst seit letztem Jahr. Android-Entwickler, die wenig bis keinerlei Ahnung von UI-Design haben, können sich nun dankbar zurücklehnen in dem Glauben, dass jeder Benutzer ihre App nicht nur in funktionaler, sondern auch in design-technischer Hinsicht schätzen wird. Das mag beim (nennen wir ihn mal so) Ottonormal-Android-Nutzer auch stimmen. Viele sind (aus meiner Erfahrung) einfach froh, dass sich in Sachen Design, UI und Usability bei Android endlich mal etwas tut.

Ich bin aber kein Ottonormal-Nutzer. Ich stelle grundsätzlich alles in Frage. Seit ich das „Absenden“-Papierflieger-Icon zum ersten Mal gesehen habe, geht es mir auf den Wecker. 80% der upgedateten Twitter-Apps für Android sind mit dem Holo Dark-Theme gebaut. Die Galerie unten beweist: Kaum jemand hat da mal weitergedacht, alle sehen irgendwie gleich aus. Früher haben alle gemacht, was sie wollten. Jetzt machen alle dasselbe. Und das können sie, weil es keine Kontrollinstanz für den Play-Store gibt. Aber nur, weil es nun endlich Richtlinien gibt, muss man die ja nicht kommentarlos hinnehmen. Ich möchte einen Client, der all die Funktionen beinhaltet, die ein normaler Twitter-User braucht. Er soll aber auch eine Wohltat für’s Auge sein und zum Benutzen einladen.

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Dass es Entwickler gibt, die sich dazu durchaus schon einige Gedanken gemacht haben, kann man z.B. im Blog von dem Finnen Juhani Lehtimaki nachlesen: http://www.androiduipatterns.com. Für mich ein schönes und leider auch seltenes Beispiel für Entwickler, die wie ich auch ein umfangreiches Design-Verständnis haben.

Ich werde mein Experiment mit dem Design eines neuen User Interfaces beginnen. Ich bin keine Expertin in diesem Gebiet, aber ich habe genug Anwendungsbeispiele, wo sich in mir alles sträubt. Ich werde auch das Rad nicht neu erfinden. Funktionen und Gesten die sich bewährt haben dürfen gerne bleiben. Und danach geht es an das Entwickeln selbst.

Ich habe die Styleguides noch nicht komplett gelesen, aber ich weiß jetzt schon, dass es viele Kompromisse geben werden muss. Und es wird viel zu Lesen, Lernen, Testen und Prüfen geben. Aber solange ich Spaß dabei habe, why not 😉 Und damit ich mich selbst ein bisschen ansporne, poste ich neue Entdeckungen und Entwicklungen hier im Blog.

Let the fun begin!!

1 Kommentar

  1. Klingt nach einer guten Idee! Gibt es inzwischen schon ein paar Mock-ups und/oder Scribbles, die du vllt posten möchtest? 😉

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