Artikel

Twitter-Client for Android: ein side project zur Beruhigung des (Design-)Gewissens.

Seit März diesen Jahres bin ich Besitzerin eines Samsung-Gerätes und somit Nutzerin von Android. Seit März bekomme ich auch langsam eine Ahnung, warum Android gegenüber iOS so einen schlechten Ruf besitzt: Dass das Betriebsystem Macken hat und Fehler aufweist und die Updates seltener kommen als bei Apple, das ist zu verschmerzen. Am Ende rootet man sein Gerät eben und hat Ruhe. Immer noch besser, als in ständiger Abhängigkeit zu iTunes zu leben.

Was mir wirklich Kopfzerbrechen bereitet, sind die Apps. Da könnt ich mir die Haare raufen! Die App-Entwickler von Android-Apps geben sich wirklich extrem Mühe, das (falsche!) Klischee von kostenlosem Produkt = schlechtes Produkt zu nähren. Wer sitzt da eigentlich und schreibt diese Apps, ohne zu merken, dass es vergeudete Zeit ist?

Was ich meine, ist das UI. Aka die Benutzeroberfläche. Erinnert ihr euch an WordArt? Diese coole Geschichte, mit der man in den Neunzigern seine Dokumente in Word aufhübschte? Diese supertollen 3D-Effekte, mit regenbogenfarbenen Verläufen? Yeah.

Das waren die 90er. Jetzt haben wir 2012. Wir wissen mittlerweile, wie eine gute App aussieht und funktioniert. Wir merken es, während wir sie benutzen. Wir merken es, weil die App uns das tun lässt, wofür sie gedacht ist, und uns nicht unnötig vom Arbeiten abhält, weil wir sie nicht unseren Bedürfnissen anpassen können. Wenn ein App-Entwickler es richtig macht, dann bleibt er auf dem neuesten Stand der Zeit und technischen Möglichkeiten und bietet Updates an, die die Bedienbarkeit verbessern. Ich habe nie etwas zu UI gelernt, aber für mich ist das selbstverständlich. Unabhängig vom Zeit- und Geldfaktor erstellt man eine App ja auch, weil man ein Bedürfnis nach ihr sah und eine Leidenschaft für das Thema der App besitzt.

Beispiele für gute Apps betriebssystemübergreifend sind z.B. Wunderlist, Flipboard, Spotify, Any.do oder die augenschmeichelnde Wetter-App 1Weather, die ich vorgestern entdeckte (leider nur für Android verfügbar :-/). Bei diesen Apps merkt man: da hat sich jemand wirklich Gedanken gemacht. Da saß jemand mit einer Leidenschaft für das Thema. Da wollte jemand erreichen, dass das Nutzen der App Spaß macht und die Arbeit und den Alltag erleichtert, und das unabhängig vom verwendeten Gerät. Es geht nicht darum, dass sie überall gleich aussieht. Es geht darum, dass sie funktional ist.

Ich habe großen Respekt vor allen App-Entwicklern, die sich an so etwas wagen. Ich habe bis auf eine Web-App mit jQuery Mobile keine Ahnung von nativer App-Entwicklung. Aber bei Android-Apps zeigt sich leider, dass dort Entwickler am Werk sind, also Programmierer, die von Bedienungsfreundlichkeit und Design nur wenig verstehen. Das ist in Ordnung. Aber dann sollte man die App lieber für sich behalten und sie nicht einem breiten Publikum zur Verfügung stellen! Ich würde mich schämen, eine App in den Store zu stellen, die designtechnisch beim Nutzer epileptische Anfälle auslöst oder Verzweiflung über die (nicht vorhandenen oder unverständlichen) Einstellungsmöglichkeiten. Eine App die mich zwingt, einen bestimmten Bilderdienst zu nutzen oder einen winzigen Farbkreis für die Wahl der Oberflächen-Farben zur Verfügung stellt oder bei viel generiertem Content vergisst, eine Scroll-to-top-Funktion per Tap einzubauen, ist für mich keine funktionale App, sondern eine lose Sammlung von wild zusammengewürfelten Teilen.

Ich wollte eigentlich nur einen schönen, intuitiven, an meine Bedürfnisse anpassbaren Twitter-Client für Android. So etwas wie Tweetbot (Kudos!!) für iOS. Ich habe bisher keinen gefunden. Und ich habe seit März bestimmt zwanzig getestet und wieder in den Müll gepackt. Das absolute Highlight war eine App, bei der man den Twitteraccount nicht mehr entfernen konnte ohne selbige zu löschen – es gab einfach keine Einstellung dafür!

Deshalb beschloss ich, ein neues side project aufzustellen: Die Entwicklung eines Twitter-Clients für Android.

Das tolle an einem side project: es hat keine Deadline. Es geht um die Leidenschaft und den Spaß am Lernen und Entwickeln. Jeder Webworker sollte so etwas haben neben seinem Alltagsjob. Paul Boag schrieb darüber schon einmal einen schönen Artikel bei Smashing Mag! Ich wollte schon lange mit App-Entwicklung beginnen, und mein Design-Herz klagt sowieso schon lange über den fehlenden Input. Warum dann nicht zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen und dem Drama ein Ende bereiten?

Und damit ich selbst sehen kann, wie und was ich lerne, werde ich alle paar Wochen über den Stand der App berichten. So könnt ihr als Leser mal sehen, wieviel Kopfzerbrechen und Freude ein solches Projekt bereiten kann und ich habe am Ende vielleicht eine lauffähige App mit Potenzial zur Veröffentlichung und Weiterentwicklung. Und selbst wenn ich scheitere, dann weiß ich, was in Sachen Android-Apps möglich ist und was nicht. (Und vielleicht wage ich mich dann mal an eine Airfoil-Alternative für Android 😉 ). Schön vorgemacht hat das ja auch schon Tobias van Schneider mit seinem Konzept für einen alternativen Mail-Client .Mail. Aus dem Wunsch, Störfaktoren aus den Standard-E-Mail-Clients zu entfernen, entstand ein tolles Konzept, das nun sogar umgesetzt wird. Und selbst, wenn es sich als totaler Quatsch herausstellt: der Ansatz war der richtige.

Das ist ja auch das tolle am Internet: wir müssen nicht warten bis jemand kommt und uns die App baut die wir gerne hätten. Wir können das einfach selbst machen!

Wenn ihr Tipps zur Entwicklung habt, Wünsche oder Ideen: her damit! Ich habe schon ein grobes UI im Kopf, werde aber viele viele Leute nach ihren Vorstellungen fragen. Was nervt euch an einer eurer Apps gewaltig? Was würdet ihr besser machen?

3 Kommentare

  1. Hi, es klinkt zwar einfach, aber Versuchs doch einfach so wie das app fürs IPhone. Super kompakt stellt es alle Funktionen bereit die man auch in der Webversion hat.

    Da ich demnächst wohl auch wieder mein Firmen-IPhone abgeben darf bin ich wohl auch bald wieder Androiden-Nutzer. Darum stehe ich da voll hinter dir und deiner Meinung, leider fehlt mir für die mobile-App-Entwicklung die nötige fachliche Kompetenz. 🙂

  2. Es ist ganz einfach zu beantworten, warum es für Android ne Menge Apps gibt, die Müll sind. Die Hürde ist viel viel niedriger. Man braucht im Endeffekt nur nen PC und nen Internetanschluss. IDE ist free, SDK ist free, das Veröffentlichen ist free. Bei Apple braucht man nen kostenpflichtigen Developer Account und jede App wird geprüft. Mal davon abgesehen, dass man nen Mac braucht. Damit fallen 99% der Skript-Kiddies schon raus.

    Aber ne App zu entwickeln ist nen tolles Projekt. Such Dir am besten jemanden der Java als zweite Muttersprache kann 😀 dann sparst Du Dir viel Frust 😉

  3. Pingback: Einstieg in die App-Entwicklung | Save the Pony

Kommentare sind geschlossen.