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Die, in der ich die Digital Media Women Köln mitgründen helfe (vielleicht!) und die FH schmeiße.

Am 26.2.2012 schrieb ich in mein Blog:

Neulich musste ich Bewerbungen schreiben. Das tat ich das letzte Mal vor gut drei Jahren, als ich mich um einen Ausbildungsplatz als Mediengestalterin bewarb. Auch wenn das seltsam klingt, aber diese Art der Bewerbung war wesentlich einfacher als die jetzige. Als Abiturientin mit einer groben Idee von der beruflichen Zukunft (in meinem Fall inklusive abgebrochenem Biologie-Studium) schreibt man eine dieser Standard-Bewerbungen, personalisiert sie ein wenig und hofft, dass das Anschreiben einen Personalchef oder eine Personalchefin überzeugt. In meiner Branche und in NRW gilt meist: wer Abitur und ein wenig Talent hat, bekommt einen Ausbildungsplatz.

Doch jetzt stand ich vor einigen anderen Fragen:

– wie gut ist meine Arbeit in Relation zu anderen Webworkern in meiner Branche?
– welches Bruttojahresgehalt kann ich guten Gewissens bei den Gehaltsangaben angeben?
– wie bedeutsam ist mein Abschluss?
– wie verhält man sich rein rechtlich bei einem Arbeitsplatzwechsel?
– was überzeugt einen Personaler oder Agenturchef, der vermutlich sogar in meinem Alter ist, genau mich zu nehmen?
– wie baue ich meine Bewerbung inhaltlich und nach geltenden DIN-Richtlinien auf?

Diese Fragen kann man nicht einfach auf Facebook oder Twitter posten. Die kann man auch nicht mit Arbeitskollegen besprechen. Wenn man sich bewirbt, ist man oft auf sich alleine gestellt. Man kann sich auch nicht wirklich Informationen aus Büchern holen, denn die meisten Bewerbungsbücher sind sehr allgemein und meist auf Akademiker oder Schulabgänger ausgerichtet. Und im Internet gibt es keine kompetenten Seiten zu dem Thema, im Gegenteil, die Informationen sind wild verstreut und wenig glaubwürdig. Das einzig Brauchbare in dieser Hinsicht fand ich bei den webkrauts, nämlich eine Umfrage mit Webworkern aus der Branche im Jahr 2008, statistisch nicht repräsentativ, aber für einen Bewerber sehr hilfreich.

Was mir zuletzt sehr geholfen hat waren meine Kontakte zu anderen Menschen aus der Medienbranche, die ich auf Barcamps und Internet-Konferenzen kennen gelernt habe. Ihre Erfahrung ist es, die man in so einer Situation braucht.

Ich bin mir ziemlich sicher, dass es noch vielen anderen so ergeht wie mir. Leider haben die meisten nicht das Glück, gute Kontakte zu besitzen. Also dachte ich mir, den Menschen muss geholfen werden!

Vorbild sind für mich die Digital Media Women Hamburg. Sie haben ein einzigartiges Netzwerk rund um die Medienbranche geschaffen. Sie veranstalten sinnvolle Treffen zu verschiedenen Themen, bieten Workshops an und haben gute Ideen zur Verbesserung der Kommunikation, und dabei leisten sie einen verdammt wertvollen Beitrag zur Medienwelt. Die traurige Wahrheit ist nämlich: ich kenne im Raum Bonn nur sehr wenige andere Frauen, die das gleiche machen wie ich. Es gibt sie bestimmt, aber sie vernetzen sich nicht. Sowieso sind kompetente Ansprechpartner rar gesät. Wo sind denn die ganzen Web-Menschen, mit denen man auf einer Ebene reden kann?

Ich würde so etwas gerne im Rhein-Sieg-Kreis aufbauen!

Leider fand dieser Post nie den Weg ans Tageslicht. Der Wunsch, einen DMW-Zweig im Rheinland zu gründen, wird aber immer größer. Da kam es, dass mich Ute über Xing anschrieb. Sie wolle die Gründung der DMWK anregen. Ich machte Luftsprünge!

Am letzten Dienstag war ich in der IHK Köln zum 1. Frauen Business Tag zu Besuch, um mich mit Ute an ihrem Stand der Business Ladys, einem unabhängigen Karrieremagazin für Studenten/innen, zu treffen. Zufällig dazu kam dann auch Christine, und schon war eine aufregende Diskussion über Brainstorming-Techniken, den benachbarten Stand der Webgrrls, verschiedene Skillswap-Ideen und Social Media Monitoring im Gange! Es war richtig schön, sich mit so tollen und kompetenten Frauen auszutauschen, die in völlig anderen Bereichen der digitalen Medien arbeiten als ich. Währendessen versorgte uns ein urkölscher, freundlicher älterer Kellner mit „Frikadellschen“ und „Raps“ (Wraps mit Mexico-Füllung ;)) und frischem Kölsch. Die Zeit ging so auch viel zu schnell rum. Ich freue mich jetzt schon auf das nächste Treffen 🙂

Derzeit wird ein Gründermeeting geplant. Sobald es dazu weitere Infos gibt, erfahrt ihr sie hier oder auf Twitter! Habt ihr Interesse, bei der Entstehung der Digital Media Women Köln dabei zu sein, ob als Mitglied oder als Gründer(in)? Dann meldet euch doch bei Ute, Christine oder mir! Ich bin jedenfalls gespannt, wie es jetzt weitergeht!

Mehr Infos zu den Digital Media Women findet ihr auf ihrer Webseite: http://www.digitalmediawomen.de

In anderen News habe ich meine Studienerfahrung in Sachen Mediendesign an der RFH nach nur einer Woche beendet. „Sooo kurz??“ wird der ein oder andere jetzt fragen. Aber lasst mich euch einen Einblick geben: das berufsbegleitende Studium umfasst Vorlesungen von zwei Abenden je drei Stunden während der Woche (18-21 Uhr) sowie bis zu sechs Stunden (8-17 Uhr) jeden Samstag(!). Dazu kommen Hausarbeiten, Referate, Design-Arbeiten (Booklets, Poster, Illustrationen etc) und normale Hausaufgaben, das Lesen von den Vorlesungsskripten und Referenzliteratur sowie am Ende des Semesters eine Klausur. Vom Anspruch her ist das alles völlig im Rahmen des Möglichen. Der Zeitfaktor zwingt aber sogar einen Organisationsmenschen wie mich in die Knie.

Wenn man im Büro Projekte hat die akut sind, kann man nicht mal eben um halb sechs aus dem Büro. Oder man möchte noch das eine Ticket abschließen. Die Hausaufgaben schafft man vielleicht noch während der Zugfahrt, aber die Design-Aufgaben müssen überlegt, recherchiert und umgesetzt werden. Ganz ehrlich: ich weiß nicht, wie ich das schaffen soll. An zwei Tagen Uni bis 21 Uhr bedeutet: um 22.30 zu Hause. Schnell essen, Sachen für den nächsten Tag vorbereiten, schlafen. Um sieben wieder raus. An den übrigen Tagen ist man abends viel zu müde, um noch etwas zu unternehmen.

Vorlesungen an jedem Samstag bedeuten: freitags nicht mehr weg gehen können, weil man samstags um sechs raus muss. Und das jede Woche. Erholungsfaktor Wochenende? Nix da. Barcamps, Tweetups, wichtige Familienfeiern? Müssen abgesagt werden. Private Fortbildung für den Job, freie Kreativität, mal ein Buch lesen: nicht mehr möglich. Die Arbeiten für die Credits müsste man am Wochenende erledigen. Ich weiß nicht was ihr so am Wochenende macht, aber ich muss da: spülen, kochen, einkaufen, aufräumen, saugen, waschen. Und dann vielleicht noch irgendwann mal etwas Freizeit haben und den Freund treffen, der von weit her kommt. Ein Tag hat nur 24 Stunden!

Ich bewundere ernsthaft jeden Menschen, der so etwas schafft. Aber ich habe für mich entschieden, dass ich mit 28 Jahren an einem Punkt im Leben bin, wo ich sehr gut abschätzen kann, was mich glücklich macht und mich ausfüllt. Der Stress mit den Vorlesungen hat mich schon nach einer Woche runtergezogen. Ich bereue das also überhaupt nicht.

Stattdessen habe ich schon wieder tausende neue Ideen, wie ein Blog-Redesign, mehr Zeichnen, die Digital Media Women Köln-Gründung, Sport, Reisen…Leben eben 😉

 

2 Kommentare

  1. Schade, dass es nichts für dich ist – aber gut, dass du die Entscheidung getroffen hast, bevor du unglücklich wirst.
    Und dreifach Yay zu den #dmwK. Wenn du nicht studierst, hast du dafür Zeit. Ist doch großartig! Es wird dir so viel (abverlangen, aber eben auch) geben! <3

  2. Woohoo für die #dmwK <3
    Und gut, dass du die Entscheidungssouveränität besitzt wegen des Studiums 🙂

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