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Ein Ort voller Musik und Magie: das Dockville-Festival 2012 in Hamburg.

Dockville-Panorama Großschot

Wir sind bereits im dritten Jahr des Dockville-Festivals angekommen! Aber diese besondere Veranstaltung verliert irgendwie nie ihren Zauber und ihren Charme. Nach den Schlamm-Eskapaden im letzten Jahr gab es Sonne satt für alle und die Erkenntnis, dass man wohl für immer sein Herz an dieses Festival verloren hat, nachdem man so viel miteinander erlebt und mitgemacht hat.

Ich konnte dieses Jahr erst freitagsabends anreisen, weil ich arbeiten musste. Wegen einem Personenunfall zog sich meine Zugfahrt bis spät in die Nacht, was der Vorfreude aber keinen Abbruch tat. Carolin und ich sind mittlerweile Dockville-Profis und gingen das auch dieses Jahr wieder ganz entspannt an. Morgens gemütlich frühstücken, gemeinsam mit Inken nach Veddel mit der S-Bahn und dann mit dem Shuttle-Bus zum Festival auf der Halbinsel Wilhelmsburg. Die Gummistiefel konnten diesmal getrost zu Hause bleiben. Mit von der Partie war auch die liebe Kixka, auf die wir vor Ort stießen. Und so machte sich das Vierer-Mädelsgespann auf, das Dockville zu erobern :)

Besonders war in diesem Jahr, dass ich keine Favoriten in Sachen Musik hatte. Ich wollte mich von der Musik treiben und überraschen lassen. Und das gelang verdammt gut :)

Hallo, Bändchen Nummer 3 ;)

Unser erster Act sind Ira Atari, die mit Elektrorock und -pop á la Mia, nur härter, im Nest rocken. Für mich einer der Überraschungs-Künstler! Die Frontfrau ist ganz gerührt ob des lauten Applauses und gibt mit einem Augenzwinkern bekannt, zum ersten Mal vor so viel Publikum zu spielen. Im Nest gibt es chinesische bunte Lampions, eine Cocktail-Bar, Hängematten und ein Holzbaumhaus sowie Couches zum Ausruhen. Sofort kommt das bekannte Dockville-Feeling auf. Die Menschen die hier rumlaufen und -hängen sind die Entspannung in Person.

Nichts muss hier, alles kann, manchmal will es aus dir raus und du springst zu guten Klängen auf und tanzt dich frei. Es gibt Seifenblasenpuster und Blumenkranzmädchen, aufblasbare Giraffen und Marienkäfer-Regen(sonnen)schirme und Stoffbeutel mit Hipstersprüchen aller Art (“Tanzen ist auch Sport”, “Ich bin zu intelligent um zu modeln”). Hier sind Junge und Alte, Eltern mit Kindern, Verrückte und Normale. Hier zu sein ist wie Urlaub. Die Sonne strahlt vom Himmel, die Beats sind wummernd und wohlklingend, zum ersten Bier angestoßen, tanzen, Zeit vergessen. Das hat mir gefehlt, wird mir klar. Die Anspannung der letzten Monate, als ich den Bewerbungsstress hatte, fallen von mir ab.

Es gibt auch wieder zwei “Dörfer” mit Fressbuden aller Art (Polnische Piroggen!! Handbrotzeit!!) sowie Merch-Zelte und Stände von kreativen Online-Shops (DaWanda, avocadostore.de) und heimischen Künstlern, Modelabeln und Produzenten. Besonders gut gefällt mir, dass es in diesem Jahr auch einen Eisstand gibt :) Die vielen verrückten Kunstgegenstände des Dockville-Kunstprojektes sind wild umher verteilt. Darunter ein Stück Autobahnstrecke, auf dem man sich niederlassen und verweilen kann, eine Art Arche Noah aus Holz, ein großer PET-Plastikflaschenbaum, der sich in die Zweige eines echten, lebendigen schlängelt, oder das Kletterhaus, in dem große Vögel hängen oder Geheimverstecke Unterschlupf bieten.

Highlights und Geheimtipp auf dem Großschot danach sind die amerikanischen Wye Oak und die dänischen Who Made Who. Wye Oak haben mit ihrer stimmkräftigen Sängerin Jenn Wasner etwas von Florence and the Machine, so eine durchdringende Power, großartig! Und Who Made Who erinnern stark an Depeche Mode, nur eher alternativ. Ein guter Ersatz für die am Freitag verpassten Maximo Park! Die beiden Jungs rocken schließlich bei sich füllendem Publikum ab. Tolle Neuentdeckung! Die nachfolgenden Future Islands im Maschinenraum, wohl dem ein oder anderen ein Begriff, sind mir etwas zu schräg und langsam (sphärisch) live. Der Costa-Cordalis-Look-a-like-Sänger auf der Bühne kann mich nicht so recht überzeugen, so dass ich zurück zu Metronomy gehe. Die sind in Ordnung, spielen aber ihre langsamsten Lieder zuerst. So richtiges Headliner-Feeling kommt da nicht auf. Schade, da hatte ich mir mehr erwartet!

Statt James Blake, der die Stimmung wohl zu sehr gedrückt hätte, geben wir uns im geliebten Butterland (Elektro-”Nest” mit überdimensioniertem Kunst-Plastikflaschenbaum und Holzschiffen) Oneohtrix Point Never (?), die verdammt gute Elektromusik in unsere Ohren speisen. Ein DJ-Set, wie ich es lange nicht so gut erlebt habe. Butterland füllt sich schnell, auch den anderen gefällt das. Lieblings-Vocal-Remix-Song im Set wird Robin S.’ “Show me love”. Fröhlich und erleichtert machen wir uns gegen zwölf auf den Heimweg. Für den ersten Tag war das schon ziemlich toll!!

SONNTAG

Am Sonntag kommen wir gerade pünktlich, um die HipHop/Acoustic/Swing/Jazz/Elektro-Sampling-Band (ja, das geht!) Misteur Valaire zu sehen. DIE GEHN AB!! Wenn ihr die mal live sehen könnt – tut es! Einfach nur großartige Bühnenkunst mit 80er-Jahre-Tonspur-Sampling. Dieses Video  zeigt euch einen ungefähren Eindruck davon, was da abging, es war nur noch verrückter!

Ohne Unterlass geht es mit Me Succeeds weiter, einer tollen Band aus Hamburg. Während sie auf der Bühne rocken, werden Konfetti und große bunte Ballons in die Menge geschleudert, die im Schein der Nachmittagssonne zwischen Kunstwerken ausgelassen tanzt und springt. Nach kurzen Sitzpausen mit Wassereis und Sonnenbad springen wir selber immer wieder mit. Man kann einfach nicht still sitzen bleiben!

Einer meiner absoluten Favoriten-Auftritte wird danach der von Me and my drummer. Etwas überwältigt blickt die blonde Charlotte in die Menge. Mit durchdringender Stimme und den Fingern am Bass stimmt sie den ersten Song an. Die Klanggewalt die von der Dame ausgeht ist beeindruckend. Sofort ist die Menge begeistert am tanzen. Matze, der “Drummer” begleitet sie dazu am Schlagzeug. Das hat was von Hundreds, die ich im letzten Jahr leider verpasste, weil sie zu spät spielten. In der Kulisse der hinter der Reete untergehenden Sonne spielen sie über sich selbst hinaus. Da liegt eine Magie in der warmen Abendluft, die sich auch auf die Bühne überträgt. Die Sängerin ist gerührt und bedankt sich beim Publikum. Schaut/hört euch Heavy Weight an und ihr wisst was ich meine. Von denen werden wir garantiert noch mehr hören!!

Als der Auftritt leider viel zu früh endet begeben wir uns zum Vorschot zu Team Me. Die Norweger sind auch eine der Überraschungen und machen lockeren Indie-Pop, zu dem man gut herumhoppsen und Spaß haben kann ;) Danach finden wir uns in Butterland auf großen Heuballen wieder. Angelockt haben uns Forgotten Birds. Die machen Heather Nova-ähnliche Songwriter-Musik und singen ganz wunderbar zu den Gitarren in den Abend. Wir lauschen entspannt. Schließlich verteilen sie kleine Zettelchen mit dem Link zu einer zip-Datei mit den Songs, denn die Band ist ganz neu und hat noch keine LP veröffentlicht. Wir finden diesen Print-Digital-Kontrast ziemlich lustig ;)

Dann die Frage: welcher Headliner? Tocotronic, Memoryhouse oder Niels Frevert? Wir entscheiden uns für Niels. Der gute wird unser heimlicher Held, denn wie er da schüchtern steht und seine Kettcar-ähnlichen Texte über die Liebe, das Leben und die Freiheit singt, erobert er im Nu unsere Herzen. Die Band spielt ganz toll dazu und es kommen immer mehr Leute. Wir spielen Groupies und stehen ganz vorne. Denen gefällt dass es uns gefällt. Die Stimmung ist großartig. Wir fühlen uns sehr glücklich und wippen und singen und schwelgen mit. Ich kannte den Herrn Frevert ja schon ein bisschen, aber live ist das irgendwie alles total schön <3

Nach einer Getränkepause geht es dann noch in das mit überdimensionierten Baiser-Tupfen geschmückte “Torte”. Da gibt es Elektro und House-Musik. Wir lassen uns zum Abschluss vor beleuchteter Reete nochmal gehen und von den Klängen treiben. Und erfinden eine witzige Choreografie, die wir unaufhörlich tanzen und uns kaputt lachen.

Als wir im Shuttle-Bus nach Veddel sitzen, sind wir beseelt. Das war das mit Abstand leichteste und schönste Dockville, abgesehen von dem ersten 2009 2010. Ohne Druck, Plan und Zwang übers Dockville zu schlendern ist eben doch die beste Idee. Und wir kennen so viel neue tolle Musik!

Danke Mädels, es war ein ganz unglaublich wunderbares Dockville mit euch!! Danke fürs Mittanzen, Mitlachen, Mitschwelgen und Mit-auf-der-Decke-rumhängen ;) <3

Eine Dockville-Playlist der gehörten Künstler findet ihr hier bei Spotify! Viel Spaß beim Neuentdecken!

Alle meine Fotos findet ihr in dieser spontan zusammengewürfelten Facebook-Galerie, tolle Bilder von anderen Dockville-Besuchern gibt es hier und hier und hier und hier ;)

Sehr schön fand ich die Lichtinstallation und die Ordner, die mit den Mädchen Seilspringen spielten (die Bilder sind Copyright by Christoph Trabert, http://fueco.blogspot.de, WP öffnet die irgendwie auch in der Lightbox!!).

Die Organisations- und Sicherheitslücken, die im letzten Jahr durch die heftigen Regenfälle aufgetaucht waren, wurden in diesem Jahr teils sichtbar, teils unsichtbar behoben oder gefüllt. Auch wenn ich nicht hundertprozentig überzeugt bin, dass ein Mudville wie 2011 sich nicht nochmal wiederholt, so bin ich der Stadt Hamburg doch dankbar, dass die Location zumindest für die nächsten zwei Jahre gesichert ist. Die Reete, der alte Industriespeicher, ist das Wahrzeichen des Dockville, und ohne sie würde da etwas an Atmosphäre fehlen. Aber haben wir das bei der re:publica nicht auch gesagt und alles kam anders…? ;)

Am 9.September startet schon der Vorverkauf für das nächste Dockville, und ratet, wer dann hibbelig vor dem Online-Shop sitzt… ;) DOCKVILLE, dir folge ich überall hin <3

Me Succeeds am Vorschot

Ira Atari rocken im Nest

Die Holga ist auch dabei!

Sundowner @ Dockville-Festival

Heimlicher Held: Niels Frevert.

Abend-Panorama Dockville

Hinterer Bereich des Dockville

BEWEGTE BILDER

Visual Art House/Flap und Klabautermann haben ziemlich treffende, wunderschöne Videos zum Dockville gemacht. So bekommt ihr mal einen Eindruck, wie schön es dort ist :) Am besten Fullscreen!

The MS Dockville 2012 Movie from VISUAL ART HOUSE / FLAPP on Vimeo.

Dockville Festival 2012 from Klabautermann on Vimeo.

 

 

One comment

  1. Das Festival ist voll und ganz nach unserem Geschmack. Köstlich gefüllt mit feinster Indie – Musik. Lecker im Verzehr – wie ein gefülltes, ofenfrisches Handbrot.

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