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Macht

Letzte Woche war ich wegen einer Webkonferenz in Berlin. Ich hatte mich seit Wochen auf dieses Event gefreut, denn ich liebe es, neue Menschen kennenzulernen, neue Dinge und Techniken zu lernen und mich auszutauschen. Als Frau in einer männerdominierten Branche ist es vor allem sehr schön, auf andere Entwicklerinnen und Designerinnen zu treffen und zu erfahren, was sie beruflich machen und mit welchen Themen sie sich auseinandersetzen.

Am Rand der Konferenz kam es zu einem Erlebnis, das bei mir Spuren hinterlassen hat. Auf einem Warm-up-Event für die Konferenzteilnehmer traf ich einige Leute aus der Webbranche, die ich bereits von anderen Veranstaltungen kenne. Sie saßen in einer Gruppe mit anderen, die ich noch nicht kannte. Ich wurde mit einigen bekannt gemacht und vorgestellt, und man kam ins Gespräch. Ich bin es gewohnt, auf solchen Events meistens mit Männern zu sprechen, da der Anteil der Frauen oft verschwindend gering ist, was sehr traurig aber leider immer noch Alltag ist. Und ich bin lange genug in der Branche, um nach wenigen Worten auf Anhieb mithilfe meiner Menschenkenntnis einschätzen zu können, wer an diesen Events teilnimmt, um wirklich Neues und neue Leute kennenzulernen, und wer nur dort ist, um sich zu profilieren und Aufmerksamkeit zu erhalten. Mein Gefühl täuscht mich wirklich nie. Am Auffälligsten ist immer, wenn man sich eine Viertelstunde mit einem Mann unterhält, der ununterbrochen davon erzählt, wie wichtig und erfolgreich seine Arbeit ist, mit welchen wichtigen Kunden er zu tun hat und welchen Eindruck er schon hinterlassen hat und er in 15 Minuten sein Gegenüber nicht einmal gefragt hat, was es selbst beruflich macht. Aber weil man sich auf Veranstaltungen, auf denen man noch nicht so viele Leute kennt, oft erst mal an Bekannten orientiert, blieb ich in dieser Gruppe.

Nach dem Warm-up-Event entschieden sich einige, noch in eine nahe Hotelbar zu gehen. Angeblich käme es dort immer zu spannenden Gesprächen mit den Sprechern der Konferenz, die im selben Hotel abgestiegen sind. Solche traditionellen Folge-Treffen kenne ich von anderen Konferenzen, und da ich in der Branche gewohnt bin, nur mit Männern noch etwas trinken zu gehen schloss ich mich der Gruppe an. Ich wusste, wenn es mir nicht gefallen würde war mein eigenes Hotel nur wenige hundert Meter entfernt.

In der Bar selbst bestellten wir Bier, und dass gar keine Sprecher anwesend waren war in dem Moment schade, aber nicht ungewöhnlich. Müde von der langen, anstrengenden Zugfahrt und der lauten Geräuschkulisse beim Warm-up-Event beteiligte ich mich wenig an der Unterhaltung. Irgendwann fragte mich einer der Männer aus der Gruppe, was ich denn eigentlich beruflich mache. Ich erzählte kurz, in welchem Bereich ich arbeite und welchen Job ich dort im Alltag habe. Als der Name meiner Branche fiel, bemerkte ich, wie der Fragensteller und ein entfernt Bekannter negative Reaktionen zeigten. Was folgte kann ich in meiner Erinnerung nur noch als „Verhör“ bezeichnen.

Die beiden begannen, ihre persönlichen und sehr negativen Erfahrungen mit dieser Branche in ihren Unternehmen schildern und auf mich einzureden. Dabei ging es um gescheiterte Versuche, neue Prozesse in das Unternehmen zu integrieren, um unpassende Software und negative Effekte infolge dessen. Meine Arbeit in diesem Bereich nutzten sie als Grundlage, um alle meine Aussagen in Frage zu stellen, meine Erfahrung und meine Qualifikationen herunter zu spielen und meine Begeisterung für das Thema als abfällig zu behandeln. Auf die Nachfrage des Fragestellers, wie kurz ich denn erst in dieser Branche arbeiten würde, da meine Motivation und Begeisterung noch so groß seien, fehlten mir etwas die Worte.

Ich folgte der Unterhaltung, die im Prinzip daraus bestand, dass sich die beiden gegenseitig beipflichteten, wie schlecht und wertlos eine Anstellung in dieser Branche sei, in der Hoffnung, dass ich irgendwo eine Aussage herausziehen konnte, die mir bestätigte, dass die beiden sowohl schlechte Schulungen in ihren Unternehmen erhalten hatten, als auch dass die Software, mit der sie gezwungen worden waren zu arbeiten nicht den Anforderungen des unternehmensinternen Prozesses entsprach und so nur scheitern konnte. Doch stattdessen redeten sich die beiden immer mehr in Rage und devalidierten meinen Arbeitsbereich immer weiter. Der Alkoholkonsum trug zu ihrem Bashing bei. Ich saß irritiert da.

Einer der beiden begann, wie schon auf dem Warm-up-Event, sich selbst als der Retter und Problemlöser darzustellen. Obwohl er keinerlei Erfahrung mit der Arbeit in meiner Branche oder meinem Unternehmen hatte, maß er sich an, darüber urteilen zu können, wie überflüssig sowohl die Arbeit an unserem Produkt als auch das gesamte Geschäftsmodell sei. Beide ließen nicht davon ab zu betonen, wieviel Berufserfahrung sie bereits hätten. Der Fragesteller hatte bereits zwei Burnouts hinter sich, machte regelmäßig Überstunden und war anscheinend sehr stolz darauf. Die anderen Beisitzenden ließen nur ab und an eine Bemerkung fallen, waren sonst aber ungewohnt still. Ich hoffte die ganze Zeit, dass ein guter Bekannter etwas zu meiner Verteidigung sagen würde. Aber nichts. Ich versuchte, die Aussagen in einen Kontext zu stellen, zu relativieren. Reagierte demütig. Rechtfertigte die Aussagen mit der Tatsache, dass ich noch sehr neu in diesem Bereich war. Rechtfertigte mich. In diesem Moment wurde mir jedoch mehr und mehr bewusst, was hier gerade passierte. Wie unwohl ich mich plötzlich fühlte. Ich sollte Rede und Antwort dafür stehen, ja mich geradezu rechtfertigen, warum ich in dieser von ihnen so missachteten Branche arbeitete, sollte erklären warum meine Arbeit irgendeinen Sinn hatte, sollte als Sündenbock für die gescheiterten Erfahrungen in ihren eigenen Unternehmen herhalten. Und am Ende auch noch bestätigen, dass sie alles besser wussten und mehr Erfahrung hatten als ich.

Das war der Moment in dem ich wusste dass ich gehe. Mit einer Ausrede packte ich meine Sachen und ging.

Mir fehlten in diesem Moment die Argumente und die Kraft, um dagegen anzugehen. Vor allem wusste ich bereits, dass es sinnlos war. Denn es erinnerte mich all zu sehr an die vielen, unzählbaren Situationen, die ich schon mit Männern in der Webbranche und Vorgesetzten in meiner Ausbildung erlebt hatte: der Versuch, durch Schlechtreden meiner Arbeit, meiner Qualifikationen und persönliche Angriffe auf Dinge die mir wichtig sind mein Selbstbewusstsein zu schwächen und ihre Machtposition über mich zu bestärken. Macht, die diese Männer gerne hätten, sie aber nicht besitzen, und Situationen wie diese ausnutzen, um sie über andere auszuüben. Ich habe gelernt, dass es in diesen Momenten nur zwei Optionen gibt: Fight or Flight. Ich war müde und hatte die Kontrolle über meine Anwesenheit, daher entschied ich mich für die zweite Option. In mir brodelte es und ich versuchte immer noch zu begreifen, was gerade geschehen war.

Während der Konferenz ging ich der gesamten Gruppe aus dem Weg. Auffällig war, dass keiner von ihnen mit mir sprach. Später traf ich noch einmal auf den Fragesteller. Er versuchte, so etwas wie eine „Entschuldigung“ zu formulieren. Offensichtlich hatte er ein schlechtes Gewissen. Das Wort „Entschuldigung“ fiel dabei keinmal. Eigentlich wollte er sich nur versichern, dass er nichts Falsches gemacht hatte, um sein Gewissen zu beruhigen. Ich sah ihn sehr lange an und suchte nach Worten. Weil noch weitere Männer um ihn rum standen und mich anstarrten murmelte ich etwas wie „War wohl ein langer Tag.“ und drehte mich weg.

In diesen Momenten wünsche ich mir starke Worte. Ich wünsche mir, wütend und aggressiv aufzutreten. Und obwohl ich all das schon hunderte Male erlebt habe, fehlen mir die richtigen Worte meistens. All das Erlebte ist noch zu frisch, zu verwirrend, um es verarbeitet oder eingeordnet zu haben. Ich komme auf diese Konferenz, um Spaß zu haben, um nette Menschen kennenzulernen. Und diese Männer verderben mir den Spaß. Diese Männer sind es nicht wert, eine Reaktion oder Aufmerksamkeit zu bekommen. Es ist abscheulich, wie sie solche Situationen ausnutzen, um selbst besser dazustehen. Und tun mir dabei leid, denn sie sehen nicht, wie armselig sie sind, und ich ihr Spiel durchschaue. Die Wut darüber, dass ich in diesen Momenten so kraftlos bin, ist verdammt groß. Aber ich lasse sie mich nicht zerstören. Ich verarbeite, ich rede darüber mit Freundinnen und Kolleginnen, ich lerne, und beim nächsten Mal habe ich vielleicht den Mut, aufzustehen und etwas zu sagen.

Ein paar Tage später brach dann abends alles in mir zusammen. Der Auslöser war ein Bekannter einer Freundin, der mich etwas zu oft berührte, obwohl ich das nicht wollte, und der versuchte, meine Aufmerksamkeit zu bekommen, indem er meine Aussagen spaßhaft herunterspielte. Dejá-Vu. Wieder war ich einem Zustand, in dem ich zu müde war um alles zu begreifen. Wieder fehlten mir die Worte und die Kraft. Zu sehr steckte das Ereignis von letzter Woche noch in meinen Knochen. Ich wollte niemanden bloßstellen, das war doch ein Bekannter. – die Dinge die wir Frauen uns sagen um uns vor uns selbst zu rechtfertigen. Ich packte zitternd meine Sachen und flüchtete nach Hause. Zuhause brach ich dann zusammen.

Diese Ereignisse sind wie eine Welle im Ozean, sie laufen im Inneren weite, scheinbar ruhige Wege, unsichtbar nach außen, unsichtbar für einen selbst, um dann groß und mächtig und zerstörend über dich hereinzubrechen.

Solche Erlebnisse wie in der Bar sind der Grund warum ich manchmal überlege nicht mehr zu Konferenzen zu gehen. Denn es kostet mich so viel Kraft und Zeit, um diese Ereignisse zu verarbeiten. Vergessen werde ich sie nie.

Heute fand ich auf Twitter zwei Tweets, die sehr passend sagen, was ich nicht ausdrücken kann:

Ich bin meiner Menschenkenntnis sehr dankbar, dass sie für mich eine Vorauswahl trifft und mich so vor Schlimmerem bewahrt. Ich bin froh dass ich aus all den negativen Erfahrungen gelernt habe, auf Distanz zu gehen, damit es mich nicht kaputt macht, und im besten Fall aufzustehen und etwas zu sagen. Das gelingt mir nicht immer, aber immer mehr. Ich bin der #Metoo und der #Aufschrei-Bewegung dankbar, dass sie Aufmerksamkeit für das Thema Macht und Machtmissbrauch erzeugen. Sie helfen mir, weil ich weiß, dass ich nicht alleine bin.

Ich bin enttäuscht, dass Menschen, von denen ich dachte dass ich ihnen vertrauen kann, mich so behandeln. Dass andere Menschen, die mir das Gefühl geben, sie schätzen mich und meine Arbeit, mir nicht zur Seite stehen und mich verteidigen, wenn es darauf ankommt. Am meisten enttäuscht mich aber, dass diesen Menschen nicht bewusst ist, was sie anrichten. Sie zerstören die Webcommunity. Sie machen all das kaputt, wofür wir jahrelang gearbeitet haben, nämlich Wertschätzung und Gleichberechtigung. Sie erzeugen ein Klima, in dem sich andere unwohl und unsicher fühlen, ihre Meinung zu sagen und ihre Erfahrungen zu äußern.

Ich werde mein Leben lang dafür kämpfen, dass so etwas nicht geschieht. Ich werde Frauen und Mädchen verteidigen wenn ich es kann, sie fördern, sie unterstützen, sie ermutigen, aufzustehen und etwas zu sagen. Ich werde weiter designen, programmieren, committen, bauen, konzeptionieren und Probleme lösen. Ich werde weiter meine Meinung sagen und meine Erfahrungen teilen, und ich werde verdammt gut in all dem sein. Ob es euch passt oder nicht.

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Yoga Progress.

Ich mache jetzt seit ca. zwei Jahren Yoga, und noch immer ist es das beste, was mir in meinem Leben passiert ist. Das tolle ist, dass ich direkt in meinem ersten Kurs im Unisport an der Uni Trier einen richtig tollen Lehrer hatte, der mir eine Form des Hatha-Yogas beigebracht hat, auf die ich immer wieder zurückkommen kann. Ich habe bisher auch andere Yoga-Arten und sogenannte „Flows“ mitgemacht und kann nun aus einem Repertoire an Übungen schöpfen. Manche gefallen mir nämlich nicht so gut und die ersetze ich dann durch Übungen, die besser zu mir passen.

Von Mai bis September habe ich nun Yoga bei Sport im Park in Bonn mitgemacht. Zudem bin ich derzeit im Studio 52 im Schnupperkurs, und es gefällt mir richtig, richtig gut! Heute hatten wir in der Vertretung Kundalini-Yoga, bei dem man sehr viele Atemübungen macht. Einige davon haben mir heute Schwindel eingebracht, so viel Sauerstoff lassen sie im Körper fließen. Man entspannt danach aber direkt und so kann nichts passieren. Sowieso höre ich bei jedem komischen Gefühl sofort auf mit dem Asana – Yoga soll sich gut anfühlen. Es hat mir extrem gut gefallen und ich werde in Zukunft sicher mal Hatha- und Kundalini-Yoga mischen.

Warum ich diesen Blogpost aber schreibe, ist die Verbesserung die sich eingestellt hat. Sie soll für euch eine Motivation sein, nicht aufzugeben. Im Mai war ich noch sehr ungelenkig, alles fiel mir schwer und die Zehen konnte ich schon gar nicht berühren. Aber mit viel Wiederholung merke ich nun langsam, wie die Übungen leichter gehen, mehr Kraft und Vertrauen in meinen Armen steckt, die Atmung fließt und die Erholung nach der Dehnung und Entspannung größer wird. Besonders am herabschauenden Hund und dem ganzen Sonnengruß bemerke ich, wie leicht mir das alles mittlerweile fällt. Es ist ein richtiges Glücksgefühl, ein Adrenalinstoß, der da durch einen durch fährt. Ich habe zwischendurch auch oft Flows zu Hause gemacht (zwischen einer und zwei Stunden mit Anfangs- und Endentspannung, Aufwärmen und Asanas) und gerade die Dehnübungen und die vielen, vielen Wiederholungen haben mir dabei geholfen, weiter zu kommen. Es ist wichtig dass man regelmäßig Yoga macht, mindestens einmal die Woche, nicht nur einmal im Monat. Ich merke nun auch wie sich ganz langsam an meinem Körper etwas verändert. Und das nach nur 5 Monaten, und völlig ohne Krafttraining im Fitnessstudio oder Ernährungsumstellung!

Das tollste ist aber immer noch die gute Laune, die ich mit aus dem Studio nehme! Alle Sorgen und Ängste sind wie weggeblasen und ich gehe frisch und erholt in den nächsten Tag. Ich überlege schon, mir ein Ticket zu holen, mit dem ich mehrmals in der Woche zum Kurs gehen kann 😉

Hier also mein Rat: wenn ihr das Gefühl habt ihr kommt nicht weiter, beobachtet euch selbst. Wie fühlt ihr euch bei einer Übung? Was löst sie in euch aus? Wenn sie Unbehagen auslöst (aber nicht in Form von Anstrengung, die ist gut!) dann ist die Übung vielleicht nicht das richtige für euch. Oder ihr haltet sie noch falsch – dann bittet euren Lehrer um Korrektur der Haltung! Ich hatte auch eine Phase, wo nichts woranzugehen schien, und jetzt merke ich wie es weitergeht. Das ist völlig normal. Haltet durch, hört auf euch selbst und macht Yoga so, wie es euch gut tut, und nicht, wie es euch jemand vorschreibt.

Namaste 🙂

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Die Wissenschaftlerin in mir.

Ich schreibe diesen Post jetzt ganz schnell auf, solange die Begeisterung noch so groß ist. Heute war ich nämlich in Köln am Schokoladenmuseum beim AWI Polarcamp. Das AWI ist das Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven. Im Polarcamp wird die Arbeit der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in der Arktis und Antarktis vorgestellt und lebhaft erfahrbar gemacht. Das Camp tourt derzeit durch ganz Deutschland und macht noch in Wiesbaden, Stuttgart und München Halt. Und so wie alles rund um die Forschung begeistert mich auch die Polar- und Meeresforschung. Vielleicht sogar noch ein bisschen mehr als Raumfahrt. Ich wollte nämlich vor elf Jahren eigentlich Meeresbiologin werden.

Ich bin es nicht geworden, weil mir weibliche Vorbilder und Mentoren gefehlt haben, aber auch, weil immer noch in viel zu wenig Schulen auf eine MINT-Karriere vorbereitet wird. Meine Schule war schon eine sehr gute, und trotzdem hat mich damals niemand gefragt, was ich eigentlich mal werden möchte. Oder mir erklärt, dass ich lerne, damit ich später mal das machen kann, was mir Spaß macht. Und so kam es, dass ich nur mit Ach und Krach das Mathe-Abi schaffte. Doch das fehlende Wissen brach mir im Biologie-Studium dann das Genick. Ich hatte es trotz schlechter Abschlussnote zu einem der begehrten Plätze nach Kiel an die CAU geschafft. Dort studierte ich 2 Jahre lang. Und verließ die Uni schließlich, weil ich aufgrund von gesundheitlichen Problemen und dem fehlenden Mathewissen nicht mehr mithalten konnte. Bis heute wurmt mich das und ich vermisse die Wissenschaft. Und so kommt es, dass ich mich von einem Spacecamp zur nächsten Sternenwarte und von einer Polarausstellung bis zur nächsten Forschungsschiff-Besichtigung bewege, um wenigstens ein wenig an all dem teilzuhaben. Meine Bachelorarbeit in Intermedia Design habe ich über Wissenschaftskommunikation geschrieben und eine Raumfahrt-App entwickelt, und auch das AWI hat dort einen eigenen Abschnitt. Bei mir ist alles miteinander verbunden, entangled. Für mich gibt es nicht entweder oder. Für mich hat alles miteinander zu tun.

Heute durfte ich mir ein Scott-Zelt, benannt nach dem britischen Polarforscher Robert Falcon Scott, anschauen, einen Außenexkursions-Container mit seinen 6 Schlafkajüten und eigener Küche bestaunen (die Toilette ist ein Eimer im separaten Zelt und steht draußen), Polarforscherkleidung anprobieren und zum Schluss sogar mit einer Oculus Rift über das Schelfeis der Antarktis laufen, die Kaiserpinguine dort beobachten, an einer Schelfeiskante stehen, mit einem Motor-Schlitten fahren und auf der Station beobachten, wie bei tosendem Wind ein Wetterballon steigen gelassen wird. Dazwischen habe ich mich mit all den tollen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern unterhalten. Das tat so gut <3 Zu Beginn gab es eine Live-Schalte zu den Forschern auf der Neumayer II-Station in der Antarktis, und man konnte ihnen Fragen stellen wie „Was gab es heute zu Mittag?“ oder „Was begeistert Sie am meisten?“ und „Wie bereitet man sich auf die Einsamkeit vor?“. Superspannend! Am besten fand ich die Berichte zur Vorbereitung auf die Überwinterung. Man muss nämlich sechs Monate vor der Reise verschiedene Übungen durchlaufen, wie beispielsweise eine Person aus einer Gletscherspalte in den Alpen bergen oder auf einem Schiff Feuer (echtes!!) bekämpfen. Und schön fand ich auch den Hinweis, dass man als Besucher der Station „mit sich selbst zufrieden und im Reinen“ sein muss, um dort zurecht zu kommen, mit den anderen und der Einsamkeit, der Abgeschnittenheit. Bis zu 50 Personen halten sich auf der Station auf, manchmal sind es aber auch weniger. Und auch an „Feiertagen“ muss man raus und Messungen kontrollieren oder Messgeräte reinigen.

Für mich ist das alles immer wie nach Hause kommen. Und ich weiß, dass ich das alles tatsächlich sehr gerne und vermutlich auch sehr gut gemacht hätte. Wäre nur Mathe nicht gewesen. Ich möchte in Zukunft gerne etwas schaffen, zum Beispiel ein Mentorenprogramm, mit dem ich Mädchen fördern kann, in die IT oder die Naturwissenschaften zu gehen. Ich möchte gerne etwas zurückgeben und anderen helfen, die es auch nicht so leicht hatten und haben. Das ist mir wichtig.

Bis es so weit ist besuche ich einfach noch einige Wissenschaftscamps und Veranstaltungen rund um Astronomie, Raumfahrttechnik, IT, Forschung, Biologie. Der Traum, das Studium nochmal zu beginnen und in die Forschung zu gehen ist geblieben. Was mir fehlt ist Zeit. Zeit, um nach einer weiteren langen Ausbildung das Gelernte anwenden zu können. Das hat nämlich auch viel mit Glück zu tun, den richtigen Arbeitgeber und -platz zu finden.

Viele, denen ich von meinem Traum erzähle, fragen als erstes, was denn Design und Kommunikation mit Wissenschaft zu tun haben und wie es sein kann, dass ich sowohl das eine als auch das andere liebe. Für mich ist das eine unnötige Frage, denn ich habe keine Antwort darauf. Für mich gehörte das schon immer zusammen. Und ich hätte mir gewünscht dass mir damals in der Schule jemand gesagt hätte, dass ich alles werden kann. Sogar gleichzeitig. Und hintereinander. Man hat nur dieses eine Leben, warum soll man es denn nur mit einer Leidenschaft verbringen?

Hier noch einige Eindrücke vom heutigen Tag: