Vor kurzem habe ich meinen allerersten Lomo-Film selbst entwickelt. Bisher dachte ich ja, das sei eine spezielle Kunst, die nur richtig clevere Leute beherrschen. Mein Freund belehrte mich eines Besseren und schenkte mir zu Weihnachten ein Filmentwicklungsset. Das besteht aus zwei schwarzen Kartons.
In dem einen ist die Filmentwicklungsdose. In dem anderen fünf Flaschen mit Chemie. Ich besitze einen “Developing Tank Compact Universal” von AP mit zwei Spiralen zum Entwickeln von 135, 126, 127, 120/220-Film (in etwa dieser hier). Das Entwicklungsset für Farbnegativfilm ist von Tetenal und heißt “Colortec C-41 Negativ-Kit Rapid” (Link).
Man benötigt:
- großes Waschbecken mit Stöpsel und Warmwasser
- elektronisches Thermometer
- Trichter
- Messbecher
- Smartphone mit mehreren Timern
- Plastikhandschuhe
- drei 1-Liter-Plastikflaschen, Edding, Schere
- Tischdeckenbeschwerer oder ein anderer schwerer, anhängbarer Gegenstand an einer Wäscheklammer
Nix da mit Dunkelkammer. Na gut, wenn ihr den Film auf die Rolle rollt ist ein völlig abgedunkelter Raum vonnöten. Mehr aber auch nicht. Das ist easy-peasy und in Nullkommanix habt ihr den Film entwickelt! Als wir alles durch hatten fragte ich meinen Freund verwirrt, “Häh, das war’s jetzt schon!?”
Anmischen der Entwicklungslösungen
Man mischt den Entwickler, den Fixierer und den Stabilisierer nach der Anleitung für 1 Liter in den drei leeren Flaschen an (das Konzentrat-Set von Tetenal ist nummeriert und wird dabei komplett leer, ihr könnt also nix falsch machen) und beschriftet sie. Mit den Flüssigkeiten in den drei Flaschen könnt ihr dann nachher 12 ISO400-(Roll)Filme oder 16 ISO200-(Roll)Filme entwickeln.
Aufwickeln des Films auf die Spirale
Bei der Entwicklerdose sind zwei weiße Spiralen-Teile aus Kunststoff dabei. Die müsst ihr so zusammenstecken, dass ein Rollfilm von der Breite her darauf passt. Am Rand der Spirale ist eine Art Laufbahn für den Film mit einer silbernen Kugel. Spannt man die Kante des Films dort hinein und dreht mit beiden Händen die Spiralenteile in gegensätzliche Richtungen, wickelt sich der Film von alleine auf die Rolle auf (dabei klickt es). Das solltet ihr vorher mal ein wenig üben, damit ihr es im Dunkeln könnt. Wie rum der Film auf der Spirale liegt ist egal.
Wenn ihr die Lösungen angemischt habt, geht ihr in den dunklen Raum, holt den Film aus eurer Kamera und wickelt ihn komplett ab. Es kann sein, dass ihr mit einer Schere das Ende von der Filmrolle abschneiden müsst. Dann ertastet ihr den Einspann-Punkt der Spirale und “klickt” den Film darauf. Dann legt ihr die Spirale in die Entwicklerdose, steckt den Plastikbolzen zum “Fixieren” oben drauf und schließt die Dose mit dem schwarzen Deckel. Sie ist jetzt völlig lichtdicht. Durch die Öffnung gießt ihr nachher die Lösungen ein.
Die Entwicklung des Films
In der Tabelle unter den Mengen in der Anleitung stehen auch die Zeiten, wie lange ihr welche Lösung in der Entwicklerdose behalten müsst. Am besten schreibt ihr euch vorher nochmal genau auf, bei wieviel Grad ihr was machen müsst. Dabei sollte man die Temperaturen im Waschbecken unbedingt einhalten, also messt lieber ein paar Mal mehr
Dann stellt ihr die verschiedenen Timer.
Wichtig: bei jeder Entwicklungsphase rollt ihr die Dose im Becken hin und her!! Der Film muss in Bewegung bleiben. Außerdem dürft ihr nicht vergessen, den roten Gummideckel auf die Dose zu machen, bevor ihr sie ins Waschbecken legt! Ihr braucht (laut Gebrauchsanleitung) für 120er-Film von jeder Lösung in den Flaschen immer 650ml. Wird das Beckenwasser mal kälter, lasst ihr heißes Wasser nachlaufen.
Und dann geht alles ganz einfach:
- 1.Timer an – 5 Minuten Dose rollen im 38 Grad warmen Waschbecken-Wasser.
- Entwickler aus der Flasche in den Messbecher, 650 ml abmessen, roten Deckel abnehmen, in die Dose einfüllen.
- 2. Timer an – Filmdose 3 Minuten 15 Sekunden im 38 Grad warmen Wasser hin- und herrollen. Entwicklerlösung aus der Dose in den Messbecher gießen und mithilfe des Trichters wieder in die Flasche füllen.
- Fixierer im Messbecher abmessen, in die Dose füllen, Deckel drauf, 3.Timer anstellen. Dose im 38 Grad warmen Wasser hin- und herrollen.
- Fixierer zurück in die Flasche gießen. 4.Timer starten.
- 650ml Wasser aus dem Hahn in die Dose füllen, 3 Minuten im 30-40 Grad warmen Becken rollen, dabei alle 30 Sekunden etwa das Wasser wechseln (übriges Wasser ins Becken gießen).
- Stabilisierer abmessen, in die Dose füllen, 5.Timer starten. 1 Minute im 20-40 Grad warmen Becken rollen. Stabilisierer in die Flasche zurückgießen.
Fertig. Also jetzt wirklich: fertig.
Trocknung des Films
Spannt euch irgendwo eine Wäscheleine oder Schnur auf, wo der Film abtropfen kann (z.B. in der Dusche). Holt den Film aus der völlig entleerten Entwicklerdose und hängt ihn mit dem einen Ende mit einer Holz- oder Wäscheklammer an die Schnur. An das untere Ende hängt ihr die Klammer mit dem schweren Gegenstand. So vermeidet ihr, dass sich der Film rollt.
Später könnt ihr den Film scannen. Bei Problemen gibt das Anleitungsheft Tipps. Bei Schlieren auf dem getrockneten Film wurde mir auf Twitter empfohlen, bei der letzten Wässerung einen Tropfen Spüli zuzugeben und den Film nachher mit den Fingern abzustreifen. Habe das aber noch nicht probiert!
Spült zum Schluss alle benutzten Gegenstände gründlich mit klarem Wasser ab!
Bei der nächsten Entwicklung habt ihr die Lösungen schon fertig angemischt und müsst nur noch die Entwicklung selbst durchführen. Ich habe mir als Trick überlegt, mir drei weitere Messbecher zuzulegen, die ich vor dem Entwickeln direkt mit den 650ml der drei verschiedenen Lösungen fülle sowie einen für das Wasserbad zu verwenden. So muss man nur noch nacheinander die Messbecher leeren und hat mehr Ruhe.
Die Flaschen bewahrt ihr an einem dunklen(!), nicht zu kalten oder warmen Ort auf. Die Lösungen halten grundsätzlich für mehrere Entwicklungen, achtet aber genau darauf, ob die Filme schwächer werden. Dann müsst ihr neue Lösungen anmischen.








